Generalversammlung

Bank nutzt gute Ortskenntnis

Die Volksbank Dettenhausen investiert in die Selbstständigkeit als örtliche Genossenschaftsbank. Vier Prozent Dividende für Mitglieder.

05.07.2017

Von Mario Beißwenger

Nein, wir wollen nicht, und nein, wir müssen auch nicht.“ Peter Bachmann, zusammen mit Ingomar Teltschik Vorstand der Volksbank Dettenhausen, machte eine klare Ansage zum Thema Fusion. Am Montagabend war Generalversammlung des örtlichen Geldhauses in der Festhalle und die Vorstände legten die Geschäftszahlen aus dem Jubiläumsjahr 2016 vor.

Bachmann nutzte die Gelegenheit auch, um sich zu Verschmelzungen von Genossenschaftsbanken zu äußern, wie der von Tübingen und dem Steinlachtal – selbstverständlich, ohne die Banken namentlich zu nennen. Er ging davon aus, dass nicht alle Gründe für eine Fusion nach außen dringen, wollte die Sache dann aber nicht weiter bewerten.

Er erklärte lieber, warum Dettenhausen eine nur lokal tätige Bank bleiben will, obwohl „wir sanften Druck bei Erträgen und Risiko spüren“. Wenn seine Bank nun schon mehr als 125 Jahre bestehe, „dann muss es richtig sein“. Er zitierte den Chef der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, der auch das Geschäftsmodell von kleinen, ortsbezogenen Banken für tragfähig hält.

Der größte Vorteil sei, so Bachmann, schnelle Entscheidungen dank kurzer Wege. Dazu zähle die Entscheidungskompetenz vor Ort, dass etwa die Bankvorstände selbst Kundenkontakt haben oder auch die Aufsichtsräte ihren Sachverstand einbringen.

Viel Geld für Fortbildung

Die Einschätzung der Bankenprüfer vom Genossenschaftsverband, dass die Volksbank überdurchschnittlich hohe Risiken mit den Krediten eingehe, konnte der Bankvorstand nicht teilen. Im den Schlussbemerkungen war davon die Rede, dass in den zehn größten Krediten die Risiken konzentriert seien. Bachmann hielt dieser formalen Beurteilung die Kenntnis der Verhältnisse vor Ort entgegen. „Wir haben das Wissen, dieses Risiko einzugehen.“

Die Prüfer schrieben in den Schlussbemerkungen, dass die Bank 2016 sich kräftig aus der Eigenkapital-Vorsorge und den Kreditrücklagen bediente. Bachmann ging darauf ein, indem er die immer noch überdurchschnittliche Kernkapitalquote der Bank von 19 Prozent hervorhob und die sehr hohe Liquidität.

2016 floss besonders viel Geld in die Fortbildung der Beschäftigten. Die immerhin 158 Schulungstage nahmen auch Zeit weg für Beratung und daran sich anschließenden Provisionen für abgeschlossene Versicherungen, Kredite oder Hypotheken. Die Provisionserträge sanken vom sehr guten Wert 2015 von 610 000 Euro auf gut 540 000.

Weil nun das neue genossenschaftliche Beratungssystem läuft – auch von der IT-Unterstützung her –, ein Berater neu dazu- und eine Beraterin aus der Elternzeit zurückkam, rechnet der Bankvorstand (neben höheren Personalausgaben) mit höheren Erträgen in den kommenden Jahren. Die Ausgaben für die Jubiläumsfeiern seien gut angelegt zur Stärkung der Bindung an die Bank.

Teltschik widmete sich den Zahlen. Demnach wird die Volksbank fast schon überschwemmt mit Geld. Die Einlagen stiegen jedenfalls auf 68,5 Millionen Euro, was einem Plus von fast 15 Prozent entspricht. Die ausgereichten Kredite stiegen nur um 5,6 Prozent. Zusammen mit frei werdenden Anlagen, für die die Bank nicht ausreichend sichere Anlagen findet, muss die Volksbank ein Teil des Geldes kostenpflichtig parken.

Seit August 2016 fielen dabei zum Teil Strafzinsen von Minus 0,3 Prozent an, was die Bank allein 12 000 Euro gekostet habe. Selbst will die Bank, so Teltschik, alles tun, um Negativzinsen für Privatkunden zu vermeiden. Mit Großkunden kündigte er dagegen „individuelle Gespräche“ an.

Die Prozente für Genossen

In der Gewinn- und Verlustrechnung weist die Volksbank Dettenhausen einen Jahresüberschuss von gut 150 000 Euro aus nach gut 250 000 im Jahr 2015. Davon bekommen die Mitglieder knapp 62 000 Euro, was eine Dividende von 4 Prozent entspricht. 2015 waren es 5,25 Prozent. 87 000 Euro fließen in Rücklagen.

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Erstellt:
05.07.2017, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 44sec
zuletzt aktualisiert: 05.07.2017, 01:00 Uhr

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