Tübingen/Pliezhausen · Wirtschaft

Bellybutton übernimmt: Spielwaren Dauth ist gerettet

Das Spielwarengeschäft in der Tübinger Hafengasse gehört fortan der Hamburger Bellybutton GmbH. Nach einem Umbau soll es im September wiedereröffnen.

19.06.2020

Von Moritz Hagemann

Spiele und mehr wird es weiterhin in der Tübinger Hafengasse weiter geben. Archivbild: Ulrich Metz

Es war eine turbulente Woche für eine Tübinger Institution: Zu Wochenbeginn sorgten Schilder im Schaufenster von Spielwaren Dauth für Aufregung. „Wir schließen diese Filiale“, stand darauf. Offiziell äußern wollte sich niemand dazu (wir berichteten). Nun die Rolle rückwärts: Dauth wird fortbestehen.

Das Tübinger Geschäft gehört zur Spielwaren Kurtz GmbH, die wiederum der Pliezhäuser Kanz Gruppe angehört. Die stellte vor zweieinhalb Monaten beim Tübinger Amtsgericht einen Insolvenzantrag. Und Insolvenzverwalter Tobias Wahl (Anchor Rechtsanwälte) stand vor einer schwierigen Aufgabe: in der Corona-Pandemie einen Investor zu finden.

Das ist nun geglückt, wie aus einer Pressemitteilung vom Freitagmittag hervorgeht. Demnach werden die zu Kanz gehörenden Spielwarenhäuser von der Hamburger Bellybutton International GmbH übernommen. Die Firma gibt es seit 1997, zu den fünf Gründerinnen gehören etwa Schauspielerin Ursula Karven und Dana Schweiger, Ex-Gattin von Til Schweiger.

Nach der von Dauth angekündigten Schließung hatten viele Menschen Wehmut geäußert – etwa in den sozialen Medien. Offensichtlich hängen viele Emotionen und Erinnerungen an dem seit 100 Jahren bestehenden Traditionshaus in der Tübinger Hafengasse. Eine Überraschung ist die Übernahme jedoch nicht mehr, Tübingens OB Boris Palmer hatte bereits eine Lösung angedeutet. Palmer erkundigte sich am Mittwoch persönlich im Laden nach der Lage, nachdem er sich schon zuvor für den Erhalt stark gemacht hatte.

Nun ist klar: „Ab September starten wir komplett neu“, wird Harald Hepperle, Geschäftsführer von Bellybutton, zitiert. „Die Spielwarenfachgeschäfte, allen voran in Stuttgart und Tübingen, werden umgebaut und mit einem modernen Ladenbaukonzept eröffnet.“ In diesem Zuge soll auch „die zeitgemäße Digitalisierung“ der Geschäfte erfolgen. Wann Dauth wegen des Umbaus vorübergehend schließt, wird sich noch zeigen – im Raum steht Ende Juni.

Insolvenzverwalter Wahl: „Ich freue mich sehr, dass wir trotz der extrem schwierigen Ausgangslage und der verschärften Bedingungen aufgrund der Corona-Pandemie eine gute Zukunftslösung für die Kanz Gruppe finden konnten.“ Besonders der Erhalt der traditionsreichen Spielwaren- und Kindermodefachgeschäfte sowie die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze sei oberstes Ziel gewesen, so Wahl weiter. Die Kaufverträge wurden bereits unterzeichnet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Weil auch weitere Zweige der Kanz Gruppe dank eines Investors gerettet werden konnten (siehe Infobox), können 190 Mitarbeitende durchatmen – davon nach Auskunft von Filialleiterin Andrea Härle neun bei Dauth in der Tübinger Altstadt.

Was mit anderen Zweigen der Kanz Gruppe passiert

Die zur Pliezhäuser Kanz Gruppe gehörenden Sons & Daughters-Filialen werden von der Fashion Accessoires & Bodywear GmbH (FAB) übernommen. Die FAB mit Sitz in Albstadt-Ebingen hat sich zudem das Großhandel-Geschäft sowie die Rechte an mehreren Lifestyle-Marken der Kanz Gruppe gesichert.

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Erstellt:
19. Juni 2020, 13:21 Uhr
Aktualisiert:
19. Juni 2020, 18:42 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2020, 18:42 Uhr

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