Tübingen · Preview

Ein Klima für Mord, ein Klima von Korruption

Der Dokumentarfilm „Hinter den Schlagzeilen“ zeigt, wie das Strache-Video an die Öffentlichkeit kam.

21.09.2021

Von Dorothee Hermann

Daniel Sager Privatbild

Es beginnt spektakulär mit einem Kurzauftritt von Edward Snowden. Der US-amerikanische Whistleblower warnt, dass „die liberalen und offenen Gesellschaften, die wir geerbt haben“, nicht für immer garantiert seien.

Für seinen Dokumentarfilm „Hinter den Schlagzeilen“ hat Daniel Sager das Investigativteam der Süddeutschen Zeitung zwei Jahre mit der Kamera begleitet und das Material auf 90 Minuten verdichtet. Das sagte der 36-Jährige vor kurzem bei der Preview im Tübinger Kino Arsenal. Anfangs wusste Sager nicht, um welche Recherchen es gehen sollte. Auf Malta versuchte das Team, den Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia zu rekonstruieren. „Wer auch immer es war, hat beschlossen, Recherchen durch ein Killerkommando stoppen zu lassen“, sagt im Film einer der Münchner Journalisten. Zuvor habe die Politik auf Malta das entsprechende Klima geschaffen. „Wenn das das neue Normal wird, werden Investigationen aufhören“, befürchtet der Reporter.

Herzstück des Films ist der komplizierte Weg bis zur Veröffentlichung des sogenannten Ibiza-Videos, das den vormaligen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der rechtsgerichteten Partei FPÖ zu Fall brachte.

Der Schnittcomputer des Filmemachers war vorsichtshalber nicht an das Internet angeschlossen. Doch durch die Spähsoftware Pegasus würden viele Sicherheitsvorkehrungen hinfällig, befürchtet Sager: „Jedes Handy kann infiziert sein. Man sieht nicht, was aufgelesen wird.“

Ihm geht es nicht nur um die großen Skandale, sondern um die notwendigen Voraussetzungen für freie Pressearbeit. „Die ganze journalistische Branche ist zuletzt unter Rechtfertigungsdruck geraten“, sagte Sager. „Viele glauben, man hört etwas und schreibt das auf.“ Dass es eine journalistische Sorgfaltspflicht gibt, hätten viele nicht auf dem Schirm. Als Nächstes will er sich mit dem Fall Claas Relotius befassen, dem „Spiegel“-Reporter, der seine vielfach preisgekrönten Texte großteils erfunden hatte.

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Erstellt:
21. September 2021, 18:29 Uhr
Aktualisiert:
21. September 2021, 18:29 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. September 2021, 18:29 Uhr

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