Luftverkehr

Flughafen Frankfurt-Hahn ist insolvent

Bereits vor der Pandemie gab es immer weniger Passagiere. Nur das Frachtgeschäft lief gut.

20.10.2021

Von dpa/afp

Der Tower des Flughafens Frankfurt-Hahn. Foto: Thomas Frey/dpa

Hahn. Die Flughafen Frankfurt­-Hahn GmbH im Hunsrück hat Insolvenz angemeldet. Hahn-Betriebsleiter Christoph Goetzmann sagte, der Insolvenzantrag sei beim Amtsgericht Bad Kreuznach eingereicht worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Frankfurter Anwalt Jan Markus Plathner.

Der Flughafen Hahn gehört zu 82,5 Prozent dem chinesischen Großkonzern HNA. Das Unternehmen hatte die Anteile 2017 für rund 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz erworben. Die restlichen 17,5 Prozent liegen nach wie vor beim Land Hessen. Zuletzt hatte die Festnahme der Führungsspitze des finanziell angeschlagenen HNA-Konzerns für Aufsehen gesorgt. Der Hunsrück-Flughafen betonte, dass dies keine Auswirkungen auf den Flughafen Hahn habe. Der Flughafen sei auf gutem Kurs, hieß es Anfang Oktober.

Frankfurt-Hahn hatte 2019, also vor der Corona-Krise, 1,5 Millionen Passagiere, doch selbst damit war er weit von den Zeiten entfernt, in denen es bis zu 4 Millionen pro Jahr waren. Im April 1999 war dort die erste Passagiermaschine gelandet – ein Flugzeug des irischen Billigfliegers Ryanair. Mit diesem „historischen Datum“ sei für ganz Deutschland eine neue Ära des Flugverkehrs eingeläutet worden: die des Billigfliegers, heißt es auf der Seite des Flughafens. Doch auch Ryanair verringerte sein Angebot im Hunsrück und verlagerte Flüge an benachbarte, größere Flughäfen.

Zuletzt wurden von Hahn aus 30 Urlaubsziele angeflogen. Der Flughafen hatte eine 24-Stunden-Betriebserlaubnis; er war daher auch ein wichtiger Frachtstützpunkt. 2019 wurden dort mehr als 170 000 Tonnen Fracht umgeschlagen – in diesem Segment gab es zuletzt Zuwächse. Dabei profitierte der einstige US-Militärflughafen auch vom Boom des Online-Handels und von Container-Engpässen im Seegeschäft.

Goetzmann betonte Anfang Oktober, den Airport ohne Beihilfen und ohne Kurzarbeit durch die Pandemie gesteuert zu haben. Die Geschäftsführung erwartete für 2020 aber einen Fehlbetrag. Je nach Verlauf der Pandemie plane man, „dass bis zum Jahr 2024 ein positives Konzernjahresergebnis erreicht werden kann“, hieß es. Danach dürfen Flughäfen gemäß EU-Recht keine staatlichen Subventionen mehr bekommen.

Ein Rechtsstreit um Steuergeld in Millionenhöhe war in diesem Sommer entschieden worden. Seinerzeit wies der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine Klage von Lufthansa zurück. Der EuGH bestätige damit ein vorangegangenes Urteil. In dem Streit ging es um staatliche Beihilfen seit 1997 für den Hunsrück-Flughafen und um Verträge mit Ryanair über Flughafenentgelte. dpa/afp

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Erstellt:
20. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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