Geldanlage: Frauen müssen selbstbewusster werden

30.06.2021

Bild: Pixabay

Noch immer verdienen Frauen im Schnitt weniger als Männer und haben geringere Rentenansprüche. Trotzdem kümmern sich viele zu wenig um Geldanlage und Altersvorsorge. Warum ist das so? Und wie lässt es sich ändern?

Altersarmut ist vor allem weiblich. Neben Geringverdienern und Menschen, die lange Zeit ohne Beschäftigung sind, haben hauptsächlich Frauen dieses Risiko. Die Gründe: Häufiger als Männer arbeiten sie in schlecht bezahlten Berufen und haben durch Erziehung und Pflege Angehöriger längere Rentenfehlzeiten.

Dennoch ist ihr Interesse an Vorsorgethemen meist gering. Warum das so ist, haben Experten der J.P. Morgan Bank untersucht. „Frauen haben ein geringeres Selbstvertrauen im Umgang mit Geld“, so eines der Ergebnisse. Außerdem verfügen sie nach eigener Einschätzung über weniger Finanzkenntnisse als Männer. Der erste Schritt auf dem Weg zu einer sinnvollen Altersabsicherung kann also eine fundierte Beratung sein, wie Anlageprofis des Finanzdienstleisters tecis sagen. „Eine Finanzberaterin oder ein Finanzberater können speziell Frauen, die sich unsicher fühlen, Grundlagen erklären und ihnen zeigen, welche Chancen, Risiken und Kosten sich hinter der jeweiligen Geldanlage verbergen“, so ein tecis-Sprecher.

„Frauen sind grundsätzlich schlechter abgesichert als Männer“

Auch Kim Hahn, Versicherungsmaklerin aus Bad Münstereifel, kennt das Problem. Sie berät viele Frauen und hat gemeinsam mit Kolleginnen ein Frauennetzwerk ins Leben gerufen. Sie sagt: „Frauen sind grundsätzlich schlechter abgesichert als Männer. Am gravierendsten ist es bei Renten-, Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherungen.“ Zwar löse sich die traditionelle Rollenverteilung in Familien und Paarbeziehungen langsam auf, aber auf Fragen der Vorsorge und Risikoabsicherung sei das noch nicht durchgeschlagen – „selbst, wenn die Frau Vollzeit arbeitet und mehr verdient als ihr Mann“, so Kim Hahn.

Ein Grund dafür: „Oft ist zu beobachten, dass Frauen erst einmal schauen, ob Familie, Kinder und Enkel gut abgesichert sind, bevor sie an sich selbst denken. Die Lücke, die für sie entsteht, unterschätzen sie.“ Kim Hahn appelliert deshalb an Maklerinnen und Makler, an Finanzberater, Banken und Versicherungen, Frauen gezielter als bisher auf dieses Problem anzusprechen und ihnen die Risiken bewusst zu machen.

Anlegerinnen setzen nur selten auf Aktien

Hinzukommt, dass Frauen meist sicherheitsbewusster an die Geldanlage herangehen als Männer – was kein schlechter Grundgedanke ist, aber auch Rendite kostet. Eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Banken ergab: Lediglich 18 Prozent der Frauen stecken Geld in Aktien, Aktienfonds oder andere Wertpapiere (Männer: 27 Prozent). Dabei gehören Aktien zu den lukrativsten Anlageformen. Auch mit einer vorsichtigen Strategie (breite Streuung, langfristiger Anlagehorizont) lassen sich gute Erträge einfahren.

Um Chancen besser nutzen zu können, müsste sich allerdings auch das Finanzwissen von Anlegerinnen erhöhen. Eine gute Beratung reicht dazu nach Ansicht vieler Experten nicht aus. Sie fordern, das Thema Finanzen und Vorsorge in die Lehrpläne von Schulen aufzunehmen. Immerhin scheinen viele jüngere Frauen für Geldfragen inzwischen offener zu sein als die Generation ihrer Mütter und Großmütter. Das hat jedenfalls Kim Hahn festgestellt: „Früher waren Finanzen und Versicherungen reine Männersache. Heute wollen immer mehr Frauen in Finanzfragen selbst entscheiden.“

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Erstellt:
30. Juni 2021, 08:36 Uhr
Aktualisiert:
30. Juni 2021, 08:36 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2021, 08:36 Uhr

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