Leasing

Miete statt Kauf: Kunden wollen sich nicht binden

Miete statt Kauf – das scheint vor allem bei jungen Leuten im Trend zu liegen. Entsprechend bieten immer mehr Branchen solche Möglichkeiten an. Verbraucherschützer warnen vor unterschätzten Kosten.

20.10.2021

Von dpa

Beim Leasing geht es längst nicht mehr nur um Wirtschaftsgüter – Lifestyle-Produkte liegen im Trend. Foto: Christin Klose/dpa

Von Kunstwerken über Kleiderschränke bis zu ganzen Bienenvölkern: Leasingangebote gehen mittlerweile über das klassische Autoleasing weit hinaus. „Heute möchten Menschen aus Lifestyle-Gründen und Nachhaltigkeitsaspekten ein Abo-Modell aus am besten allen Branchen wählen können“, sagt Daniel Ishikawa, Geschäftsführer von Lyght Living Furniture Leasing aus dem hessischen Rodgau. Das gelte vor allem für jüngere Menschen. Ishikawas Unternehmen hat sich auf den Verleih von Möbeln und Elektroartikeln für den Wohn- und Bürobereich spezialisiert.

Auch die Corona-Pandemie hat Ishikawa zufolge einen Einfluss auf die Bedürfnisse von Verbrauchern und Unternehmen. „Corona hat dazu geführt, dass das Leben noch schwerer zu planen ist. Viele Kunden möchten sich nicht mehr langfristig an Dinge binden“, sagt er.

Manchmal wollen sich die Kunden allerdings auch nicht mehr trennen, so die Erfahrung von Dieter Schimanski, Inhaber von Bee-Rent aus dem niedersächsischen Ganderkesee, der seit 2015 ganze Bienenvölker auf Zeit vermietet. Sei die Freude am Imkern einmal geweckt, wollten die wenigsten damit wieder aufhören. „Daher geben die wenigsten Kunden ihre Bienen zurück“, erzählt der Imker. Zu seinen Kunden zählen vor allem Unternehmen, die den Honig etwa zu Werbezwecken nutzen. Außerdem werde die Honigentnahme regelmäßig zum Firmenevent für die Beschäftigten der Firmen, sagt Schimanski.

Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) wächst die Beliebtheit der Leihmodelle seit geraumer Zeit. „Das Neugeschäft ist in den letzten Jahren bis zur Pandemie kontinuierlich gewachsen und erreichte 2019 einen Rekordwert“, berichtet BDL-Hauptgeschäftsführerin Claudia Conen. Demnach wurden 2019 neue Verträge über Wirtschaftsgüter im Anschaffungswert von 76,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 69,1 Mrd) abgeschlossen. Nach wie vor gefragt sind trotz der verschiedenen neuen Angebote vor allem Autos und Nutzfahrzeuge: Sie sind mit 79 Prozent klar die größte Objektgruppe.

Leasingverträge ähneln rechtlich prinzipiell Mietverträgen. Allerdings werden beim Leasing die Kosten der Instandhaltung des überlassenen Gegenstandes auf den Kunden abgewälzt – bei der Miete ist das Sache des Vermieters. Leasing war anfangs vor allem im Unternehmensbereich verbreitet, um steuerliche Vorteile nutzen zu können. Erst nach und nach breiteten sich die Verträge auch im Privatkundenbereich aus, wo sie eher den Charakter eines Finanzierungsmodells haben.

Wie andere Branchen auch, ist die Leasingwirtschaft von der Corona-Krise nicht verschont geblieben. Im Pandemiejahr 2020 ging das Neugeschäft um 8,6 Prozent zurück. Im ersten Halbjahr 2021 habe die Branche jedoch einen kräftigen Erholungs- und Nachholeffekt verzeichnet, sagt die Verbandssprecherin Conen: Das Neugeschäft sei gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,3 Prozent gewachsen.

Die Inhaberin des Karlsruher Kunstverleihs Contemp-Rent, Yvonne Hohner, stellte in der Pandemie zumindest bei Privatkunden ein gestiegenes Interesse fest. Viele Menschen legten zunehmend Wert auf ein schönes Zuhause. „Das richtige Bild zu finden, braucht jedoch Zeit.“ Kunden könnten die Malereien und Skulpturen im Rahmen von Leasing probeweise mit nach Hause nehmen. Das nehme vielen Privatkunden die Angst vor Fehlentscheidungen, sagt sie. dpa/swp

Direktkauf kann günstiger sein

Die Verbraucherzentrale Rheinland­-Pfalz warnt davor, die Kosten für Leasing-Objekte zu unterschätzen. Oft schienen die Anschaffungskosten von Gegenständen wie Laptops oder Handys sehr hoch, sagt Maximilian Heitkämper. Viele Produkte seien im Direktkauf aber trotzdem günstiger als die Gesamtkosten eines Leasingvertrags, der sich über mehrere Monate erstrecke. Außerdem liege die Erhaltung des Leihgegenstands in der Verantwortung des Kunden. Durch Reparaturkosten könne das Leasing daher deutlich teurer ausfallen.

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Erstellt:
20. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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