Kolonialkunst

Land will Fahrplan für Rückgaben

Stuttgart macht in der Diskussion um die Restitution der Benin-Bronzen aus vielen deutschen Museen Druck.

28.04.2021

Von DPA

Stuttgart/Berlin. Mit einem Fahrplan will Baden-Württemberg mehr Tempo in die Diskussion um Rückgaben der als Raubgut geltenden Benin-Bronzen aus deutschen Museen bringen. „Die Zeit ist reif“, sagte Kunstministerin Theresia Bauer in Berlin. Die Grünen-Politikerin fordert ein „weitreichendes Signal“ von einer für Donnerstag von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) einberufenen Runde. Museumsexperten und politisch Verantwortliche wollen dann über den weiteren Umgang mit den Objekten beraten. Diese stammen größtenteils aus britischen Plünderungen des Jahres 1897.

Bauer will, „dass wir in dieser Runde bereits konkrete Vereinbarungen treffen, eine Selbstverpflichtung eingehen sollten mit klar definierten Schritten“. In intensivem Dialog mit den Herkunftsgesellschaften müsse es zu einer gemeinsamen Strategie kommen, „die selbstverständlich auch Restitutionen einschließen sollte“. Die Kunstministerin übermittelte den beteiligten Ländern eine „Roadmap“ mit einem „zügigen und strukturierten Prozess in zwei Schritten“.

Wo nicht bereits erfolgt, sollen innerhalb eines Jahres die Provenienzen der relevanten Kulturgüter aufgearbeitet, dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Grundlage dafür soll die bereits entstehende Datenbank „Digital Benin“ sein. Parallel soll bis Ende kommenden Jahres ein umfassendes Konzept zum Umgang mit den Sammlungsgütern erarbeitet werden, „das konkrete Verfahren und Zeitpläne für die Rückführung von Kulturgut nach Nigeria beinhaltet“. Die weitere Zusammenarbeit zwischen Nigeria und Deutschland auf diesem Gebiet müsse den kontinuierlichen Austausch und Dialog zwischen den verschiedenen Partnern sowie Kooperationsprojekte beinhalten.

Im Zweifel auch allein

Baden-Württemberg setzt im Zweifel auch auf Alleingänge: „Falls eine einheitliche Regelung (…) bis Ende 2022 nicht zustande kommen sollte, werden Rückgaben in der Verantwortung der einzelnen Träger erfolgen, dort, wo die jeweils zuständige Instanz das beschließt“, heißt es in der „Roadmap“. Die Rückgabe kolonialer Gegenstände ist für Bauer kein Schlusspunkt, sondern Ausgangspunkt für Dialog und Partnerschaften mit den Herkunftsgesellschaften. „Wir wollen die gemeinsame Kolonialgeschichte auch gemeinsam aufarbeiten“, sagte die Ministerin.

Eingeladen für das Gespräch am Donnerstag hat Grütters unter anderem die Leitungen der deutschen Museen der Benin Dialogue Group, zu der auch das Stuttgarter Linden-Museum gehört. Gerd Roth

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Erstellt:
28. April 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
28. April 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. April 2021, 06:00 Uhr

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