Tübingen/Reutlingen · Wirtschaft

Schlechte Noten für Corona-Hilfen

Kleinstunternehmen spüren die Pandemie laut IHK-Umfrage teils dramatisch.

08.05.2021

Von ST

Einpersonen- und Kleinunternehmen leiden besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Sie verzeichnen große Umsatz- und Gewinnrückgänge, Liquiditätsengpässe und müssen oftmals ihre Alterssicherung antasten. 242 kleine und kleinste Unternehmen aus der Region haben sich an der jüngsten IHK-Umfrage beteiligt.

Demnach verzeichnen 35 Prozent einen Umsatzrückgang von mehr als 75 Prozent, weitere 21 Prozent zwischen 50 und 75 Prozent. In der Folge erwarten 47 Prozent der Befragten für das laufende Geschäftsjahr Verluste, nur zehn Prozent rechnen mit einem Gewinn. „Die Auswirkungen von Corona für Einpersonen- und Kleinstunternehmen sind gravierend. Vielen ist die Nachfrage weggebrochen, und nun haben sie Liquiditätsprobleme. Die Kleinen gehören zu den großen Verlierern der Pandemie“, sagt Bert Bormann, Vorsitzender des Ausschusses für Einpersonen- und Kleinstunternehmen der IHK.

Das zeigt auch die Frage nach der Alterssicherung: 56 Prozent der Umfrageteilnehmer mussten sie antasten, um laufende Kosten und den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Bei 35 Prozent mehr als die Hälfte. „Diese Rücklagen sind aufgebraucht. Wir müssen bei vielen Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmern mit Altersarmut rechnen.“

Bürokratisch, umständlich, langwierig: 72 Prozent der Befragten haben bisher staatliche Corona-Hilfsprogramme in Anspruch genommen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass 28 Prozent keine Hilfe nötig hatten. Tatsächlich scheiterte die Antragstellung in vielen Fällen an bürokratischen Hürden oder individuellen Konstellationen, die zum Ausschluss einer Förderung führten. Insgesamt erteilen viele Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer der Politik für ihre Unterstützung schlechte Noten: 19 Prozent geben ein „ungenügend“, 29 Prozent „mangelhaft“, „ausreichend“ und „befriedigend“ geben ebenfalls je 19 Prozent.

„Die erste Corona-Soforthilfe der Landesregierung war schnell und pragmatisch. Alle Programme, die seither gekommen sind, werden als zu bürokratisch, umständlich und langwierig beurteilt“, erklärt Bert Bormann. Dazu kommt: Gerade bei den Überbrückungshilfen der Bundesregierung sind viele Soloselbstständige und Kleinstunternehmen durch das Raster gefallen. Außerdem mindern die Hilfsprogramme nur die Last der betrieblichen Verluste und kompensieren sie nicht.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Umfrage zeigen aber auch, dass sie im Angesicht von Corona nicht die Hände in den Schoß legen. Bei der Frage nach unternehmerischen Maßnahmen, um die negativen Folgen der Pandemie abzufedern, gaben 46 Prozent an, Produkte und Dienstleistungen umgestellt zu haben, 38 Prozent haben ihr Geschäftsmodell angepasst oder erneuert, und 34 Prozent haben in digitales Marketing und digitalen Vertrieb investiert.

Als Auswirkungen der Pandemie wurden genannt: Rückgang der Nachfrage (62 Prozent), Liquiditätsengpässe (50 Prozent), Betriebsschließungen (45 Prozent), drohende Insolvenz (30 Prozent), logistische Probleme beim Bezug von Waren und Vorleistungen (24 Prozent). Gegenmaßnahmen waren: Produkte und Dienstleistungen angepasst (46 Prozent), Geschäftsmodell angepasst oder erneuert (38 Prozent), Investitionen in digitales Marketing und Vertrieb (34 Prozent), interne Prozesse optimiert und digitalisiert (27 Prozent), Renovierungs- und Sanierungsarbeiten (26 Prozent).

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Erstellt:
8. Mai 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Mai 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Mai 2021, 01:00 Uhr

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