Kino

Siegesfreude und nackte Wut

Bei der César-Verleihung räumt Albert Dupontel ab. Filmkünstler nutzen den Abend für Kritik an der Regierung.

15.03.2021

Von Sabine Glaubitz

Schauspielerin Corinne Masiero protestiert bei der Verleihung gegen den Kultur-Lockdown. Foto: Bertrand Guay/AFP POOL/AP/dpa

Paris. Freudentränen und Frust über den Kultur-Lockdown: Beides gab es bei der Vergabe der französischen César-Filmpreise in diesem Jahr reichlich. In Corona-Zeiten fand die 46. Zeremonie am Freitagabend zwar ohne Publikum statt, dafür aber mit Preisträgern und allen Nominierten. Mit einer Ausnahme: Der Hauptgewinner blieb der Preisverleihung fern. Die burleske Tragikomödie „Adieu les cons“ (dt. Auf Wiedersehen ihr Idioten) von Albert Dupontel räumte sieben Trophäen ab, darunter der Preis für den besten Film, die beste Regie und das beste Originaldrehbuch. Der Spielfilm des Regisseurs und Schauspielers erzählt die Geschichte einer schwer kranken Frau, die sich auf die Suche nach ihrer Tochter macht, die sie als 15-Jährige zur Adoption freigeben musste.

Dupontel ist für seine ins Absurde und Burleske gehende Filme bekannt und wurde schon mehrfach mit dem César ausgezeichnet. Jedoch war er bisher bei keiner der Verleihungen anwesend. Die Begründung gab er 2017 in einer Fernsehsendung: Die Césars seien für ihn wie ein Besuch im Louvre, bei dem man sagt, dieser Maler sei besser als der andere. Ein solches intellektuelles Urteil perplexe ihn.

„Rausch“ des dänischen Filmregisseurs Thomas Vinterberg wurde als bester Auslandsfilm gewürdigt. Das Drama erzählt die Geschichte von vier befreundeten Lehrern, die gemeinsam ein Trinkexperiment starten.

Ihrem Unmut über die Schließung der Kinos machten zahlreiche Filmschaffende Luft. Es reiche, sagte Isabelle Huppert bei der Preisverleihung. Es sei nun an der Zeit, so schnell wie möglich die Kinos wieder zu öffnen. Die Darstellerin Corinne Masiero zog sich nackt aus – in Anspielung auf eine Kulturszene, die von der Regierung im Stich gelassen wird.

In Frankreich sind Kinos, Schauspielhäuer und Museen wegen der Corona-Krise seit Ende Oktober geschlossen. Der Druck der Kulturschaffenden auf die französische Regierung wächst: Seit Tagen werden in Paris, Straßburg und anderen Städten des Landes aus Protest Theaterhäuser besetzt.

Zum Artikel

Erstellt:
15. März 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. März 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. März 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App