Energie

Strom wird in Deutschland teuer bleiben

2020 sinkt die EEG-Umlage für Ökostrom auf 3,7 Cent. Doch die Entlastung für die Verbraucher ist gering.

16.10.2021

Von Dieter Keller

Strom bleibt auch 2022 teuer, weil unter anderem die Netzentgelte steigen. Foto: Federico Gambarini/dpa

Berlin. Zwar sinkt die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms Anfang 2022 auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Doch Privathaushalte und Wirtschaftsbetriebe dürften wenig davon haben: Unterm Strich können sie nicht auf niedrigere Strompreise hoffen. Dies kann höchstens steigende Kosten bei der Stromerzeugung und bei anderen Posten wie den Netzentgelten ausgleichen. Die Preise dürften auch 2022 ihr aktuelles Rekordniveau halten oder zumindest nicht spürbar sinken, erwartet Thorsten Storck vom Vergleichsportal Verivox.

Die EEG-Umlage sinkt 2022 auf 3,723 Cent pro Kilowattstunde (kWh), gaben die vier großen Netzbetreiber am Freitag bekannt. Derzeit liegt sie bei 6,5 Cent pro kWh. Mit der Umlage müssen die Verbraucher finanzieren, dass die Investoren in Solar- und Windkraftanlagen 20 Jahre lang garantierte Preise bekommen, die deutlich über dem Marktpreis für Strom liegen, weil die Erzeugung in der Vergangenheit deutlich teurer war. Für neue Anlagen wurde dies inzwischen weitgehend eingestellt.

Derzeit ist die Stromerzeugung sehr teuer, weil die Preise insbesondere für Erdgas explodieren. Daher müssen die Anbieter viel für den Strom ausgeben. Dadurch sinkt der Betrag, der durch die EEG-Umlage zum garantierten Preis für Ökosteuer aufgefüllt werden muss. Das hat schon im laufenden Jahr zur Folge, dass die EEG-Umlage zu hoch ist und über 4,5 Milliarden Euro 2022 gutgeschrieben werden – zudem überweist der Bund dann einen Zuschuss von 3,25 Milliarden Euro.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Foto: Christophe Gateau/dpa

Durch die Absenkung der EEG-Umlage wird ein Single-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1500 kWh um rund 50 Euro entlastet, so die Rechnung von Verivox. Bei einem Drei-Personen-Haushalt, der 4000 kWh braucht, sind es 132 Euro. Dies werde aber durch gestiegene Beschaffungskosten und höhere Netzentgelte aufgezehrt.

Die hohen Strompreise gefährden viele mittelständische Firmen, begründete ein Bündnis von Wirtschaftsverbänden seine Forderung, die Kosten der Energiewende gänzlich aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Dazu gehöre auch der CO2-Preis, den es nur in Deutschland gebe. „Kein Unternehmen kann auf Dauer wettbewerbsfähig sein, wenn es Zusatzkosten tragen muss, die die Wettbewerber nicht haben.“

Dieter Keller

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Erstellt:
16. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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