Komponist

Viel mehr als nur der Märchenonkel

Vor 100 Jahren stirbt Engelbert Humperdinck. Die Oper „Hänsel und Gretel“ macht ihn zur Legende.

25.09.2021

Von kna

München. Auf Reisen ist Engelbert Humperdinck zeitlebens viel gewesen. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, verbringt der Komponist auch 1921 einen schönen Sommer im Kreise seiner Kinder und besucht München, Bozen und Innsbruck. Seinen 67. Geburtstag begeht der Witwer am Ammersee, kurz danach ist er im mecklenburgischen Neustrelitz. Dort erleidet er einen Schlaganfall. Gelähmt, nicht mehr fähig zu sprechen, stirbt er am 27. September 1921 im örtlichen Krankenhaus.

Bis heute klebt an Humperdinck das Etikett des „Märchenonkels“, weil er vor allem für seine Opern „Hänsel und Gretel“ sowie „Königskinder“ bekannt ist. Doch der Komponist war deutlich mehr, findet Matthias Corvin in seiner Biografie „Märchenerzähler und Visionär“. Darin rückt er die musikhistorische Bedeutung des Komponisten in den Vordergrund, der zu seinen Lebzeiten als Meister des „weich gemischten Orchesterklangs und der filigranen Polyphonie“ galt. Neuerungen habe er behutsam aufgenommen und sich dabei auch für europäische und nordafrikanische Volksmusik interessiert.

Zudem war Humperdinck ein großer Verehrer von Richard Wagner, dem er bei der „Parsifal“-Uraufführung 1882 in Bayreuth assistierte. Nach dessen Tod pflegte er weiter gute Kontakte zur Familie. Zu seinen Freunden gehörten auch Richard Strauss und Ermanno Wolf-Ferrari sowie der Theatermann Max Reinhardt.

An Wagners Villa angeklopft

Geboren wird Humperdinck 1854 als ältester Sohn eines Gymnasiallehrers im rheinländischen Siegburg. Früh versucht er sich an Kompositionen, die er vor der Familie aufführt. Er beginnt ein Musik-Studium, das ihn von Köln nach München führt. Stipendien ermöglichen ihm Auslandsaufenthalte in Spanien, Frankreich und Italien. Als er im März 1880 in Neapel weilt, nutzt er die Gunst der Stunde und klopft an jener Villa an, in der Wagner residiert. Der Komponist ist neugierig auf den jungen Kollegen. Die Unterredung nennt Humperdinck „einen der anregendsten und erhabensten Momente meines Lebens“. Fünf Jahre später wird er auf Vermittlung von Strauss musikalischer Gesellschafter beim Essener Industriellen Alfred Krupp.

Doch die Tätigkeit erfüllt ihn nicht. Als neues Standbein entwickelt sich für Humperdinck die Musikkritik. In Frankfurt wird er 1890 Dozent am Konservatorium, 1900 wechselt er an die Akademie der Künste nach Berlin. Da ist der Komponist längst eine Legende, denn seine 1893 durch Strauss in Weimar uraufgeführte Oper „Hänsel und Gretel“ hat ihn berühmt gemacht.

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Erstellt:
25. September 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. September 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. September 2021, 06:00 Uhr

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