Vorbildliche Schweiz

In der Schweiz haben viele Bewohner in ländlichen Gebieten einen Bus, der zwischen 6 und 23 Uhr stündlich fährt. Wie die Schweiz das hinbekommt und was Deutschland davon lernen kann.

29.07.2021

Von DOROTHEE TOREBKO

In der Schweiz unterstützt der Bund die Kantone sehr beim ÖPNV. Foto: Thomas Frey/dpa

Berlin. Deutschland galt bisher als das Land der Autofahrer. Die Straßenplanung war auf Autos ausgerichtet, Fahrräder wurden wegen der schlecht ausgebauten Wege höchstens für kurze Strecken benutzt und Schienenwege wurden reduziert. All das ändert sich jetzt. Die Mobilität ist im Wandel. Andere Länder sind schon weiter in ihrer Ausrichtung auf viele Verkehrsträger. Kopenhagen gilt als die Fahrradhauptstadt Europas, Fahrten mit Wiener Bussen und Bahnen sind günstig, Paris macht Stadtteile autofrei. Als eines der Vorbilder für den öffentlichen Nahverkehr wird die Schweiz herangezogen. Was machen die Eidgenossen besser?

Die Schweiz hat im Gegensatz zu Deutschland ein dichtes ÖPNV-Netz. Damit das aufrechterhalten werden kann, unterstützt der Staat massiv. In der Schweiz hat jede Gemeinde das Recht darauf, dass viermal am Tag ein Bus hält. Diese Regelung gilt für die Busse, bei denen 35 Fahrgäste pro Tag gezählt werden, erläutert Bastian Kettner vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Sobald den Bus 480 Fahrgäste pro Tag nutzen, soll er stündlich verkehren und der Staat finanziert 18 Buspaare. Das bedeutet, die Menschen auf dem Land haben von 6 bis 23 Uhr einen Bus, der stündlich fährt. Darüber hinaus können die Kantone mehr Busverkehr bestellen: So kann der Stunden- zum Halbstundentakt verdichtet werden. „Der Bund hat dort seine Verantwortung viel besser wahrgenommen, als es hier in Deutschland ist“, sagt Kettner.

Preis nicht so entscheidend

Die Schweizer wollen den Anteil der Menschen in Bus und Bahn noch erhöhen. Eine vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV) in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass dies möglich ist. Voraussetzung ist die Qualität des Angebots. Das heißt, Busse und Bahnen müssen in einem dichten Takt fahren, einen hohen Komfort haben und es müssen viele Ziele angesteuert werden. Der Preis ist gegenüber der Reisezeit nicht so entscheidend. Ein wichtiger Faktor für die Wahl des Verkehrsträgers ist die „letzte Meile“. Kommt der Reisende nicht bequem zum Zielort, wählt er lieber den Privat-Pkw. Doch ein besseres Angebot des öffentlichen Verkehrs allein reicht nicht: Genauso wichtig ist es laut der Studie, Autofahren unattraktiver zu machen, zum Beispiel durch teurere Parkplätze. Dorothee Torebko

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Erstellt:
29. Juli 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Juli 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2021, 06:00 Uhr

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