Sanierung

Wenn die Heizung streikt

Die kalte Jahreszeit beginnt und in vielen Haushalten werden die Ölheizungen hochgedreht. Ist die Anlage defekt, gilt es meist schnell zu handeln. In manchen Fällen gibt es staatliche Förderung.

22.10.2021

Von Julia Kling

Wenn die Heizung nicht mehr funktioniert, müssen Fachleute ans Werk. Foto: © Skylines/shutterstock.com

Draußen stürmt es, der Tee dampft in der Tasse, nur eine wohlige Raumtemperatur will sich nicht einstellen. So erging es Herbert Maurer und seiner Frau vor wenigen Tagen. Die Ursache war schnell gefunden: Die in die Jahre gekommene Ölheizung war nach der Sommerpause nicht mehr angesprungen. „Der Brenner ist kaputt“, konstatierte der Heizungsbauer.

Was tun? Das defekte Teil ersetzen oder die in die Jahre gekommene Ölheizung austauschen? Diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten. Neben den nicht unerheblichen Kosten müssen auch die technischen Gegebenheiten individuell abgeklärt werden, erklärt Alexis Gula vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Besitzer einer älteren Ölheizung sollten sich jedoch über die 2026 anstehende Gesetzesänderung im Klaren sein. „Das ist kein Verbot von Ölheizungen“, sagt Stefan Eisele, Vorstand des Landesverbandes der Schornsteinfeger Baden-Württemberg. Vielmehr ist von 2026 an der Einbau einer Ölheizung weiter erlaubt, jedoch nur, wenn sich die Betroffenen für eine Hybridheizung entscheiden. „Diese wird dann neben Öl auch mit erneuerbaren Energien betrieben“, erklärt Eisele. Dabei gehe es nur um Heizungsanlagen in Neubauten sowie beim Tausch von bestehenden Heizungen.

Und gibt es Ausnahmen. „Ist kein Gas- oder Fernwärmenetz als Alternative verfügbar oder kann aus technischen Gründen keine erneuerbare Energie anteilig eingebunden werden, darf nach heutigem Stand auch nach 2025 eine reine Ölheizung eingebaut werden“, erklärt Adrian Willig vom Institut für Wärme und Mobilität (IWO).

Mit einer Öl-Brennwertheizung lasse sich durchaus energiesparend und umweltschonend heizen. Der Wirkungsgrad liege bei bis zu 100 Prozent, sagt Gula. „Technisch und wirtschaftlich ist gegen diese Geräte nichts einzuwenden.“

Den Einbau einer neuen Ölheizung sollte jedoch wohl überlegt sein. „Reine Ölheizungen werden aktuell nicht mehr gefördert“, sagt Stefan Materne von der Energieberatung der Verbraucherzentralen. Nur noch die erneuerbaren Komponenten von Hybridheizungen wie etwa eine gekoppelte Solaranlage oder Wärmepumpe sind bezuschussungsfähig.

Die Kosten für die Alternativen zu einer Ölheizung fallen unterschiedlich aus. Laut Verbraucherzentrale müssen für die Installation einer Wärmepumpe 17 000 bis 32 000 Euro eingeplant werden. Der Einbau einer Brennstoffzelle kostet bis zu 40 000 Euro, eine Pelletheizung etwa 28 000 Euro und ein Scheitholz-Vergaserkessel bis zu 15 000 Euro. Ist durch den Wechsel jedoch auch der Einbau einer Fußbodenheizung notwendig, entstehen zusätzliche Kosten. „Das ist deutlich teuer als der Einbau einer Öl-Brennwertheizung, aber klimatechnisch viel sinnvoller“, sagt Stefan Materne. Und dank der aktuellen staatlichen Fördermittel lasse sich der finanzielle Aufwand senken. „Dann sind die Preise für die neue Heizung mit erneuerbaren Brennstoffen fast vergleichbar mit dem Kauf und Einbau einer modernen Öl-Brennwertheizung.“

Gasbrennwert-Heizungen werden momentan mit 30 Prozent gefördert, Gas-Hybridheizungen mit 40 Prozent, Solarthermieanlagen mit 40 Prozent, Wärmepumpen mit 45 Prozent, Biomasseanlagen mit 45 Prozent und Erneuerbare-Energien-Hybridheizungen mit 45 Prozent.

Der Antrag zur Förderung muss jedoch vor Vertragsabschluss mit dem Fachbetrieb beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eingereicht werden muss. „Und wichtig ist, anzufangen, bevor die Heizung kaputtgeht. Denn es gibt keine Förderung für die neue Technik, wenn die alte Heizung nicht mehr funktioniert.“

So heizen die Deutschen

Im Gebäudebestand dominieren in Deutschland Gasheizungen. So wird jede zweite Bestandswohnung in Deutschland laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit Gas beheizt. In einem Viertel der Wohnungen kommt Heizöl zum Einsatz, in 14 Prozent Fernwärme. Wärmepumpen sind nur in 2,6 Prozent der Haushalte vertreten. In Neubauten entschieden sich im vergangenen Jahr jedoch 35,5 Prozent der Bauherren für eine Wärmepumpe. Damit war diese Heizungsart erstmals am gefragtesten.

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Erstellt:
22. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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