Krimi

nicht online

In ihrem dritten „Tatort“ jagt die von Heike Makatsch gespielte Mainzer Kommissarin Ellen Berlinger ein skrupelloses Killer-Pärchen.

22.10.2021

Von Martin Weber

Ellen Berlinger (Heike Makatsch, l) mit Zeugin Rosa (Henriette Nagel). Foto: Bettina Müller/SWR/ARD/dpa

Freiburg. Mord am Mitarbeiter einer Tankstelle: In den Anfangsszenen weckt dieser Krimi erst mal ungute Erinnerungen an die Bluttat in Idar-Oberstein, die vor kurzem das Land erschütterte. Davon konnten die Macher dieses „Tatorts“ mit der Mainzer Ermittlerin Heike Makatsch natürlich noch nichts ahnen, als sie den Krimi drehten, in dem gleich zu Beginn der Kassierer einer Mainzer Tankstelle von einem räuberischen Liebespaar erschossen wird.

Zeugin der brutalen Tat wird die blinde Studentin Rosa Münch (Henriette Nagel), die den Mord hören, aber nicht sehen kann. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb kann Rosa den beiden Kommissaren Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und Martin Rascher (Sebastian Blomberg) erstaunlich detaillierte Angaben über die Tat machen – so weiß die aufmerksame Ohrenzeugin etwa, dass die beiden Mörder mit einem Geländemotorrad gekommen waren. Außerdem hat sie sich die Stimmen des jungen Mannes und seiner Freundin, die den Tankwart auf dem Gewissen haben, genau eingeprägt.

Der teilweise aus der „Sicht“ der fast blinden Rosa gefilmte Anfang von „Tatort: Blind Date“ (24.10., Das Erste) ist ein durchaus vielversprechender Start für einen Sonntagskrimi, der dann aber rasch abbaut. Das hat vor allem einen Grund: Immer dann, wenn es bei der hochintelligenten Zeugin und den beiden erstaunlich skrupellosen jungen Tätern gerade spannend wird, schweift der von Ute Wieland inszenierte Krimi ab, um sich ausführlich dem verkorksten Privatleben der Kommissarin Ellen Berlinger zu widmen.

Die allein erziehende Mutter einer kleinen Tochter bekommt Besuch vom Vater ihres Kindes, dem Engländer David Murphy (Alan Burgon). Er ist wegen seiner Tochter in Mainz, die er mit nach England nehmen will. Als Ellen Berlinger davon Wind bekommt, reagiert sie aber nicht wie erwartet und kämpft um die kleine Greta, sondern ist fast erleichtert, dass ihr die Verantwortung für das Kind möglicherweise abgenommen wird – das alles wäre ausreichend Stoff für ein vielleicht gar nicht mal schlechtes TV-Drama. In einen „Tatort“ gequetscht behindert die Privattragödie dagegen die Entwicklung des eigentlichen Krimiplots oder anders ausgedrückt: Für die Handlungsstränge rund um die Ohrenzeugin bleibt zu wenig Zeit.

Während Ellen Berlinger immer mehr unter seelischen Druck gerät, verliebt sich Rosa Münch ausgerechnet in Sophie Hansen (Anica Happich), die ebenfalls Studentin ist und ihr im Zuge der Ermittlungen nachstellt. Bei einer Gegenüberstellung im Polizeipräsidium erkennt sie die Tankstellenräuberin zwar sofort an der Stimme, schweigt jedoch aus Zuneigung – ein schwerer Fehler, wie sich im Verlauf dieses „Tatorts“ herausstellt, der leider unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Der neue Tatort bekommt von uns zwei Pistolen.

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Erstellt:
22. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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