Tübingen · Notbremse

Tübinger Modell: Am Sonntag ist Schluss

Am heutigen Samstag läuft das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ noch, ab Sonntag greift auch in Tübingen die Bundes-Notbremse – mit einigen Änderungen. Was nun gilt, gibt es hier im Überblick.

23.04.2021

Von lms/hoy/pme

Das Tübinger Tagesticket ist von Sonntag an erstmal Geschichte. Bild: Ulmer

Für Tübingen gibt es noch einen Tag Verlängerung: Obwohl ab Samstag die Bundes-Notbremse greift und die Landesregierung angekündigt hat, das Gesetz „eins zu eins“ umzusetzen, läuft der Tübinger Modellversuch „Öffnen mit Sicherheit“ erst in der Nacht zum Sonntag aus. Das „Vierte Bevölkerungsschutzgesetz“ des Bundes sehe unterschiedliche inzidenzabhängige Zeitpunkte vor, teilt die Pressestelle des Sozialministeriums auf TAGBLATT-Nachfrage mit. Und: „Da die Stadt Tübingen stabil unter der Inzidenz von 100 liegt und die rechtliche Frage eines möglichen Übergangstags für verschärfte Maßnahmen für Tübingen nicht eindeutig ist, haben wir in der Abwägung für den Versuchsabbruch am Sonntag entschieden.“

Dann gelten auch in Tübingen die strengeren Maßnahmen derNotbremse, weil die Sieben-Tages-Inzidenz im Landkreis Tübingen maßgeblich ist. Damit müssen große Teile des Einzelhandels, körpernahe Dienstleistungen und Kultureinrichtungen sowie Schulen und Kitas geschlossen bleiben. Mit dem Auslaufen des Modellversuchs enden auch die verschärften Tübinger Regeln wie die Testpflicht für Beschäftigte, die ausgeweitete Maskenpflicht in der Innenstadt und das Alkoholkonsumverbot an bestimmten öffentlichen Plätzen.

Kostenlose Schnelltests

Aber es wird weiter getestet: In der Tübinger Innenstadt bleiben die Teststationen auf dem Marktplatz, an der Neckarbrücke (Bürger- und Verkehrsverein) und in der Kulturhalle weiter in Betrieb. Die anderen Stationen werden in den kommenden Tagen in andere Stadtteile verlegt. Die Schnelltests sind weiterhin kostenlos.

Am Montag gibt es eine Teststation bei der Firma KME im Lustnauer Zentrum. Weitere Standorte sind auf Waldhäuser-Ost, in der Südstadt, in der Weststadt und in Derendingen vorgesehen. Der bisher als „Tübinger Tagesticket“ bekannte Nachweis über ein negatives Testergebnis kann weiterhin beim Friseur vorgezeigt werden. Friseure dürfen – anders als andere körpernahe Dienstleistungen – in der Notbremse geöffnet bleiben für Kunden, die einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen.

Handel

Von Montag an gilt auch im Tübinger Einzelhandel das Prinzip „Click&Collect“, also online bestellen und einen Abholtermin vereinbaren. Ausgenommen sind Buchhandlungen, Blumenfachgeschäfte, Garten- und Tierbedarfsmärkte sowie die Geschäfte, die auch bisher schon vor Beginn des Tübinger Modells geöffnet waren. Das Ende des Tübinger Modells „ist bitter für alle Beteiligten“, sagt HGV-Sprecher Stephan Braun. Die Tübinger seien „verantwortungsvoll“ mit ihren Einkaufsmöglichkeiten umgegangen. Am heutigen Samstag könnten alle noch einmal die Gelegenheit zum Einkaufen mit Tagesticket nutzen. Was die Testmöglichkeiten betrifft, habe man in Tübingen „Luxusverhältnisse“.

Tübus-Fahrplan ändert sich

Weil auch die Schulen ab Montag wieder zu großen Teilen in den Distanzunterricht wechseln müssen, passt Tübus sein Fahrplanangebot im Stadtgebiet Tübingen wieder an. Die Tübusse fahren ab Montag, 26. April, nach dem Normalfahrplan „schulfrei“. Das heißt, es entfallen alle im Fahrplan mit „S“ gekennzeichneten Fahrten. Ausnahmen bestehen auf den Linien 18 und 19, die mit den „S“-Fahrten verkehren, und auf der Linie 23, für die ein Sonderfahrplan gilt.

Kita- und Schul-Notbetreuung

In den Kindertageseinrichtungen und für Schülerinnen und Schüler bis Klasse 7 wird eine Notbetreuung angeboten. Eltern können ihre Kinder dafür am Montag direkt in der jeweiligen Einrichtung anmelden. In die Notbetreuung in städtischen Einrichtungen für Kinder über drei Jahre dürfen nur die Kinder kommen, die mindestens einmal in der Woche einen Corona-Schnelltest in der Einrichtung oder zu Hause machen. Die Schnelltests stellt die Stadt weiterhin über die Kitas und Schulen zur Verfügung. Diese Testpflicht verfügt die Stadtverwaltung über das Hausrecht. Auch die freien Träger haben die Möglichkeit dazu.

Universität

Der Botanische Garten auf der Wanne darf laut Infektionsschutzgesetz vom heutigen Samstag an öffnen. Doch auf die vorgeschriebenen Eingangskontrollen, bei denen Besucher einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen müssen, sind die Bota-Mitarbeiter nicht eingestellt, so Antje Karbe von der Pressestelle der Universität Tübingen. Der Bota bleibe daher geschlossen. Noch unklar ist, was für die Hochschulen und Laborpraktika gilt. Im Bundesgesetz werden die Hochschulen mit den Schulen gleichgesetzt. „Das ist nicht umsetzbar“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Kultur

Am Samstag darf auch die Kultur noch: Stadtmuseum, Hölderlinturm (beide 11–17 Uhr), die Kunsthalle mit der aktuellen Ausstellung Karin Sander (10–18 Uhr) und das Museum der Uni Tübingen (MUT) mit der Sanskritausstellung (10–17 Uhr) haben geöffnet. Ab Sonntag ist geschlossen.

Das gilt auch für die Kinos. In Arsenal und Atelier läuft am Samstag unter anderem jeweils um 18.15 Uhr der Oscar-Kandidat „Der Rausch“ von Dogma-Regisseur Thomas Vinterberg. Ab Sonntag gibt es dann auch hier nichts mehr zu sehen.

Der Spielplan des LTT war vorausschauend nur bis gestern vorgeplant. Zur letzten Vorstellung kam – wie bei der ersten Premiere nach Wiedereröffnung via Modellprojekt – Oberbürgermeister Boris Palmer. Das ITZ zeigt am Samstag um 18.30 Uhr noch einmal „Beleidigt sein ist auch keine Lösung“ im Löwen. Dann ist erst mal Schluss. Nicht ganz: Der Audiowalk „Olfaktoria“ läuft als aushäusiges Angebot weiter (jeweils 10–8.30 Uhr), auch die Zeiten für die technische Betreuung und den Handyverleih für Handylose bleiben (bis Sonntag 13 bis 18.30 Uhr, nach dem Click&Collect; also vorher anrufen unter 0 70 71/ 927 333).

Auch das Konzertleben muss pausieren. Aber nach wie vor gilt: Alles, was in Kirchen stattfindet und als Gottesdienst zählt, ist möglich. Die bisherigen Regeln für Gottesdienstbesucher bleiben bestehen. Bei Trauerfeiern gilt eine Zahl von 30 Teilnehmern.

Kontaktbeschränkung, Ausgangssperre und Sport

Ab einer Inzidenz von 100 gilt ab Samstag für den Landkreis Tübingen:

Private Treffen sind nur mit einer haushaltsfremden Person gestattet. Außerdem dürfen sich maximal fünf Personen treffen – zu den beiden Haushalten gehörende Kinder unter 14 Jahren sind ausgenommen.

Eine Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr. Nur noch im Notfall, zu dienstlichen Zwecken oder wenn man zum Beispiel mit dem Hund raus muss, darf man das Haus verlassen. Zwischen 22 Uhr und 24 Uhr ist es erlaubt, sich alleine draußen zu bewegen.

Tagsüber darf Sport alleine, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand betrieben werden, nicht im Verein oder einer Mannschaft. Davon ausgenommen sind Profisportler. Profisport findet ohne Zuschauer statt. Ausgenommen sind auch Kinder, wenn sie draußen kontaktlos in Gruppen von maximal 5 Kindern trainieren. Trainer müssen gegebenenfalls vorher einen Test machen.

Die FDP-Bundestagsfraktion scheiterte mit ihrem den Antrag, Modellprojekte als Ausnahme ins Gesetz zum Infektionsschutz („Notbremse“) aufzunehmen. Der Liberale Michael Theurer (Horb) bedauerte: „Das ist eindeutig das falsche Signal. Testen und Impfen sind die beiden tragenden Säulen einer realistischen Strategie, wie trotz Covid-19 und Mutationen das gesellschaftliche, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Leben weitergehen kann. “ Zugestimmt hat der Tübinger Grünen-Abgeordnete Chris Kühn. Er wollte den „verantwortbaren Tübinger Modellversuch“ nicht an der Kreis-Inzidenz scheitern lassen. Auch Heike Hänsel (Linke) stimmte zu. „Ich finde es richtig, Modellprojekte unter strengen Schutzauflagen zu ermöglichen.“ Nein sagte Martin Rosemann (SPD), „da alle Kreisbewohner/innen an dem Modellvorhaben teilnehmen“. Auch Annette Widmann-Mauz (CDU) lehnte den Antrag ab. „Aufgrund vieler Berufspendler, Schüler, Studenten und Patienten ist Tübingen mit den umliegenden Kommunen eng verflochten.“

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Erstellt:
23. April 2021, 23:03 Uhr
Aktualisiert:
23. April 2021, 23:03 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. April 2021, 23:03 Uhr

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