Rottenburg · Friedensbewegung

Andreas Zumach.über den „gescheiterten Krieg gegen Terror“

Warum die Kriege des Westens in islamischen Ländern keine Erfolge brachten, analysierte Andreas Zumach.

27.11.2021

Von ST

Über gescheiterte Kriege sprach Andreas Zumach, ehemaliger UN-Korrespondent der „taz“ in Genf, kürzlich im Rahmen der Ökumenischen Friedensdekade in der Moriz-Kirche vor rund 60 Gästen.

Sehr viele Staaten, die den Krieg in Afghanistan unterstützten, verweigern sich seiner Auffassung nach einer ehrlichen Aufarbeitung der Geschehnisse. Die Gründe für das Scheitern sieht Zumach darin, dass die US-Luftwaffe Warlords als Verbündete anerkannte. Ferner sei der Präsident Hamid Karsai dem Land aufgedrückt worden, obwohl er im Volk nicht anerkannt gewesen sei. Die Drogenwirtschaft wurde nicht unterbunden, was die Korruption gefördert und die Bezahlung der Warlord-Söldner ermöglicht habe. Die Bauern hätten Alternativen zum Opiumanbau erhalten müssen, sagte Zumach. Doch die USA verhinderten eine vernünftige Drogenpolitik.

Die Bundeswehr habe zunächst einige Erfolge verzeichnen können, aber die Taliban erlangten immer mehr Einfluss. Die mehrfachen Verlängerungen des Bundeswehr-Mandats seien mit Täuschungen der Öffentlichkeit verbunden gewesen. Trotz deutlicher Ablehnung der Bevölkerung stimmten die Parlamentarier mit großer Mehrheit dafür, die Militäreinsätze zu verlängern.

Der Krieg gegen Saddam Husseins Irak 2003 begann mit Lügen. Die Folgen waren unter anderem eine Million Tote. Die US-Besatzer habe gravierende Fehler gemacht. Heute sei der Irak völlig kaputt, nichts sei besser geworden.

Ein drittes Schlachtfeld ist Syrien. Vom endgültigen Sieg gegen den IS sei nicht zu reden. Rund 90000 IS-Kämpfer seien untergetaucht oder in andere Länder verschwunden: etwa nach Syrien, Libyen und Mali. Der Drohnenkrieg erzeuge Hass und Gewalt. Unbeteiligte Zivilisten werden getötet und verletzt. Laut der UN-Resolution 1348 haben die USA zwar ein Recht auf Selbstverteidigung. Aber nirgends stehe, dass sie alle militärischen Mittel anwenden dürfen.

Was sind Alternativen? Alle Organisationen müssten in Afghanistan mitarbeiten dürfen. Weil die humanitäre Lage katastrophal sei, müsse der Westen ohne Bedingungen Hilfe leisten. Die Taliban-Regierung hat Zusagen nicht erfüllt, aber da sie auf internationale Unterstützung angewiesen sei, könne Druck ausgeübt werden.

Fairer Handel und Demokratie

Der Versuch, mit militärischen Mitteln den Afghanen Fremdes überzustülpen, funktioniere nicht. Die „westlichen Werte“ gebe es nicht – es gebe individuelle Menschenrechte, die universell gelten.

95 Prozent aller islamistischen Terroranschläge geschähen nicht im Westen. Doch die Ursachen der Terrors gingen auch die Menschen hierzulande etwas an, so Zumach. Perspektivlosigkeit führe zu Frust in der Bevölkerung. Statt Diktatoren zu unterstützen, solle der Fokus auf die Entwicklung von Demokratie, Gewaltenteilung und Menschenrechten liegen. Ausbildungsangebote für junge Menschen seien zu schaffen. Ein fairer Handel sei ebenfalls nötig. Und Rüstungsexporte sollten verschwinden, um eine tragfähige nationale Ökonomie zu erreichen, forderte Zumach. /Archivbild: privat

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Erstellt:
27. November 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. November 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. November 2021, 01:00 Uhr

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