Mode

C&A: Werden 100 Filialen dicht gemacht?

Der Textilhändler verkündet eine Neuausrichtung. Investiert werden soll vor allem in das Online-Geschäft, Stellen fallen weg.

29.11.2021

Von Caroline Strang

Der Modehändler C&A kämpft nicht zuletzt mit den Folgen der Pandemie und will sein Online-Geschäft ausbauen.

Ulm. Eine strategische Neuausrichtung hat der Textilhändler C&A vor wenigen Tagen verkündet – und damit unerwartet viel Wirbel ausgelöst. So berichtete zum Beispiel „Focus Online“, dass in Deutschland bald 100 Filialen geschlossen werden sollen. Im vergangenen Jahr wurden bereits gut ein Dutzend der deutschlandweit rund 450 Filialen geschlossen, von der Zahl 100 will C&A allerdings für die Zukunftsplanung nichts wissen. „Die Zahl der angeblich für eine Schließung in Deutschland vorgesehenen Filialen entbehrt der faktischen Grundlage“, stellte eine Unternehmenssprecherin richtig. „Die angekündigten Modernisierungsprozesse stehen nicht im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung unseres Filialnetzes.“ Nur wenige Tage nach dieser Aussage wird es dann konkreter: 13 Filialen sollen im kommenden Jahr geschlossen werden, nicht 100. Welche es trifft, ist noch unbekannt.

Sonst soll, ganz im Manager-Deutsch, konsolidiert und zentralisiert werden. Ziel sei es, ein agileres und schnelleres Unternehmen aufzubauen, das sich schnell an neue Marktgegebenheiten anpassen könne. Der Vorschlag solle zudem zu einem einfacheren, unkomplizierteren Betriebsmodell führen. Entscheidungsprozesse sowie die organisatorische Effektivität und Effizienz sollen verbessert werden.

Vor allem diese Aussagen allerdings ließen bei Fachleuten und Medienvertretern die Alarmglocken läuten: „Die europäischen Arbeitnehmervertreter und C&A-Mitarbeiter wurden über die vorgeschlagenen Änderungen informiert. Diese könnten sich auf eine Reihe von Arbeitsplätzen in Europa auswirken“, so die Sprecherin.

Geschäftsführerin Giny Boer ließ dazu verlauten: „Selbstverständlich verpflichten wir uns, eng mit unseren Sozialpartnern zusammenzuarbeiten.“ Es werden also Stellen wegfallen, die Zahl der betroffenen Mitarbeiter allerdings ist wohl noch Verhandlungssache. C&A verfügt weiterhin über zwei Hauptverwaltungen, in Brüssel und in Düsseldorf. Der Vermutung, dass die Zentrale in Brüssel geschlossen wird, erteilte der Textilhändler ebenfalls eine klare Absage.

C&A verkauft seine günstige bis mittelpreisige Ware in 1400 Filialen in 18 europäischen Ländern und hat rund 23 000 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2019/2020, das im Februar 2020 endete, wird im wichtigsten Markt Deutschland ein Jahresfehlbetrag von 93,6 Millionen Euro ausgewiesen. Der Umsatz sank um 2,26 auf 2,16 Milliarden Euro, in der Pandemie dürften sich diese Zahlen noch deutlich verschlechtert haben.

Der Modehändler will diesem Negativtrend nun mit mehr Digitalisierung gegensteuern. In diesem Bereich hinkt der Konzern der Konkurrenz seit Jahren hinterher. Offenbar haben auch die Auswirkungen der Pandemie, die noch mehr Modekäufer als zuvor ins Internet lockte, für ein Umdenken gesorgt. Geschäftsführerin Boer jedenfalls sagt nun: „Im heutigen Marktumfeld ist es unerlässlich, dass wir uns mit einem modernen Ansatz in unseren Geschäften und einem stärkeren digitalen Angebot für den Erfolg positionieren.“ Die richtige Kombination sei entscheidend, Ziel sei, Konsumentenbedürfnisse künftig online genauso effektiv zu bedienen wie in den Geschäften. Die Kosten für die Digitalisierung sollen übrigens durch die Einsparungen in der Verwaltung finanziert werden.

Auch wenn dieser Schritt spät kommt, ist er vielleicht der einzige Weg aus dem Tief. Denn gerade im Modehandel gewinnt das Internet an Bedeutung, während der stationäre Handel schwächelt. Bereits in zehn Jahren werde der Onlinehandel einen ebenso hohen Marktanteil aufweisen wie Modegeschäfte vor Ort, ist ein Ergebnis der Studie „Fashion 2030 – Sehen, was morgen Mode ist“ vom Beratungsunternehmen KPMG in Kooperation mit dem Einzelhandelsinstitut (EHI). Mit 16,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet der Onlinemodehandel 2020 bereits 25 Prozent des gesamten Modeumsatzes von 66 Milliarden Euro. Diesen Anteil wird er in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, erwarten die Experten. Es ist also für große Player unumgänglich, sich breiter aufzustellen und auf beiden Kanälen mitzumischen.

Schereneffekt erwartet

Interviews mit Expertinnen und Experten zeigen laut EHI-Studie, dass der Handel bis zum Jahr 2030 eine Flächenreduktion von etwa 50 Prozent erwartet. Da der Marktanteil des Online-Modehandels stärker steigt als der des gesamten Modemarktes, wird es zu einem Schereneffekt für den stationären Bekleidungseinzelhandel kommen, sich also immer weiter unterscheiden. Die Verkleinerung der Handelsflächen wird Kaufhäuser am stärksten treffen.

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Erstellt:
29. November 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. November 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. November 2021, 06:00 Uhr

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