Tübingen · Biotech

Curevac will Mutanten angehen

Der Tübinger Impfstoff-Hersteller startet ein Entwicklungsprojekt gegen Virus-Mutationen und nimmt GlaxoSmithKline als Produktions-Partner ins Boot.

03.02.2021

Von Eike Freese

Das Curevac-Gebäude in Tübingen. Bild: Ulrich Metz

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac beginnt mit der Entwicklung weiterer Impfstoff-Kandidaten für eine möglicherweise veränderte Pandemie-Lage des Coronavirus. Dazu kooperiert Curevac nun auf einer weiteren Eben mit dem internationalen Konzern GlaxoSmithKline (GSK), der bereits seit einem Jahr als Groß-Investor ans Unternehmen gebunden ist. Entsprechende Vereinbarungen machten Curevac und GSK am Mittwoch öffentlich.

Beide wollen gemeinsam einen so genannten multivalenten Impfstoff entwickeln, der auf künftige Virus-Varianten reagieren können soll. Damit sollen sowohl überregionales Infektionsgeschehen, als auch regionale Ausbrüche besser in den Griff zu bekommen sein. Die Entwicklung startet nach Angaben von Curevac sofort. Wenn es läuft wie geplant, sollen neue Curevac-GSK-Impfstoffe 2022 verfügbar sein. GlaxoSmithKline (Hauptsitz London) ist mit einem Umsatz von zuletzt über 37 Milliarden Euro einer der größten Pharmakonzerne der Welt und besitzt ein großes Impfstoff-Sortiment von Grippe bis FSME, mit zwei Produktions-Standorten in Deutschland. Curevac-CEO Franz-Werner Haas zeigt sich optimistisch, dass man mit der Expertise von GSK in der Lage sei, „auch zukünftige Gesundheitsherausforderungen mit neuartigen Impfstoffen zu bekämpfen.“

Zugleich erweitert Curevac seine Produktionskapazität ein weiteres Mal. Nachdem in jüngster Zeit bereits einige Fertigungs-Kooperationen bekannt gegeben wurden (von denen die mit Bayer die prominenteste ist), soll nun auch GSK die Herstellung von bis zu 100 Millionen Dosen des Curevac-Kandidaten CVnCoV übernehmen. Er soll im zweiten Quartal verfügbar sein.

Finanziell hat die Kooperation ein Volumen von weiteren 150 Millionen Euro, 75 kommen von GSK sofort, 75 weitere bei Erreichen bestimmter Ziele. GSK würde bei einem neuen Covid-Produkt auch Zulassungsinhaber sein und es weltweit vermarkten (außer in Deutschland, Österreich und der Schweiz). Im Zuge der Kooperation sollen gleich mehrere Kandidaten mit unterschiedlichem Anwendungsspektrum herauskommen. Damit soll auf einer breiteren Ebene gegen Sars-Cov-2 geimpft werden können, als das mit den bisherigen Produkten auf dem Markt möglich sei. Zudem könne schneller reagiert werden, wenn künftig bisher noch unbekannte Mutationen auftreten.

Es sei durchaus möglich, heißt es aus der Curevac-Pressestelle, dass spätere Varianten „die Wirksamkeit der Covid-Impfstoffe beeinträchtigen“. Deshalb müssten Anstrengungen erhöht werden, einen Impfstoff zu entwickeln, der gegen neue Varianten schützt. Neue Curevac-Impfstoffe könnten dann entweder genutzt werden, um noch nicht geimpfte Menschen zu schützen – oder als Auffrisch-Impfung, falls die Immunantwort auf eine erste Impfung über die Zeit nachlassen sollte. Abseits davon will das Duo noch weitere Impfstoffe gegen weitere schädliche Atemwegs-Viren in Angriff nehmen.

Basis der neuen Entwicklung ist das bekannte Curevac-Impfstoff-Programm, das sich aktuell in der abschließendem Phase befindet. Curevac wirbt mit einer „optimierten“ mRNA-Technik, die nicht nur ausreichend immunisiert, sondern auch gut herstellbar und bei üblichen Temperaturen von 2 bis 8 Grad stabil ist. Die Tübinger halten sich zudem für führend bei der Frage, mit möglichst geringer Menge effektiv impfen zu können.

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Erstellt:
3. Februar 2021, 11:42 Uhr
Aktualisiert:
3. Februar 2021, 11:42 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Februar 2021, 11:42 Uhr

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