Tübingen · Weihnachtsspendenaktion

Ehrenamtliche Schnell-Tester: „Es ist so sinnvoll, was wir hier machen“

Ein Konzept, das in vielen Landkreisen Nachahmer findet: Hinter den Schnelltests, die mit dem Arztmobil angeboten werden, stehen viele Ehrenamtliche. Viele sind seit November mit dabei.

29.01.2021

Von Lisa Maria Sporrer

„Es kitzelt nur leicht in der Nase“: Die Mitarbeiter beim Arztmobil (hier kurz vor dem Abstrich) arbeiten
ehrenamtlich. Bild: Anne Faden

Überschrieben ist der dreiseitige Text mit „Der Tübinger Weg in der Coronakrise – hier die Strategie des Schnelltests“. Am vergangenen Wochenende hat Christa Lucke niedergeschrieben, was in Tübingen seit November praktiziert wird: Tests in den Heimen und außerhalb der Alteneinrichtungen.

Immer mehr Anfragen aus anderen Landkreisen und Bundesländern erreichen Lisa Federle und die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die in Tübingen, Rottenburg und Mössingen Abstriche beim Arztmobil nehmen. Wie denn diese Testungen organisiert werden, wollen Landräte wissen, wie das finanziert wird. „Eigentlich ist das Konzept dahinter ganz einfach“, sagt Lucke, Vorsitzende des Bezirksseniorenrats Rottenburg. Ihre kurze Organisationsanleitung wurde innerhalb einer Woche schon zahlreich verschickt.

„Das Testteam unter der Leitung von Frau Dr. Federle besteht aus Ehrenamtlichen des DRK Kreisverbands Tübingen, des Kreisseniorenrats und sonstigen Ehrenamtlichen, die von der Aktion begeistert waren und tatkräftig mithalfen“, schreibt Lucke in ihrer Anleitung. Sie gehört selber zu einer der vielen Ehrenamtlichen.

Schon im November, als Lisa Federle Antigenschnelltests für Besucher von Pflegeeinrichtungen organisiert hat, half Lucke bei der Verteilung der Schnelltests an die Heime, fuhr die Einrichtungen an, erklärte dem Personal, wie sie angewendet werden, war Ansprechpartnerin. Als Federle ihr dann Anfang Dezember von ihrer Idee erzählte, flächendeckende und kostenlose Tests für die Bevölkerung im Kreis vielleicht im Rahmen der Spendenaktion anbieten zu können, dachte sie: Um Himmels Willen.

„Das war schon ein Wagnis“, sagt Lucke, die zu Beginn befürchtete, dass entweder nicht viele Leute das Angebot in Anspruch nehmen, oder aber, dass zu viele Leute kommen und das kleine Team den Ansturm überhaupt nicht bewältigen kann. Beides bestätigte sich nicht.

Christa Lucke Privatbild

Auch die Finanzierung war – dank der Spendenbereitschaft der Menschen in der Region – ziemlich schnell gesichert. Seit das Arztmobil Anfang November erstmals auf dem Tübinger Marktplatz stand, stand auch Lucke dort, nahm Abstriche, half, wo sie konnte.

Dienstags fuhr sie mit dem Arztmobil nach Mössingen, mittwochs nach Rottenburg, donnerstags, freitags und samstags immer nach Tübingen. „Ich bin ja seit drei Jahren in Pension“, sagt Lucke, die Heimleiterin und Pflegedienstleiterin in einer Stuttgarter Einrichtung war. „Es ist so sinnvoll, was wir hier machen“, sagt sie. Jeden Tag ziehen wir ein paar positive Fälle raus, allein deshalb lohnt sich dieses Angebot.“

Auch Christin Gumbinger ist von Beginn an bei den Tests am Arztmobil mit dabei. Im Frühjahr, als in Tübingen auf dem Festplatz die Fieberambulanz eingerichtet wurde, meldete sie sich dort freiwillig, übernahm bald die Koordination für die regelmäßigen Altenheim-Testungen, und als dann für das Weihnachtsspendenprojekt noch Mitarbeiter gesucht wurden, meldete sie sich auch dort.

„Die Leute sind einfach begeistert, dass hier so etwas angeboten wird. Und Angehörige, die alte Menschen Zuhause besuchen wollen, sind ja auf dieses Angebot angewiesen. Damit sie ein bisschen Sicherheit bekommen“, sagt Gumbinger, die in Teilzeit im Abgeordnetenbüro von Daniel Lede Abal (Bündnis 90/Die Grünen) arbeitet und nachmittags im Arztmobil die Abstriche auswertet. „Wir sind einfach ein super Team hier. Und Hannah Irmler, die die Dienstplanung macht, ist eine absolut coole Frau.“

P. Feldtkeller Privatbild

Von der guten Zusammenarbeit schwärmt auch Philipp Feldtkeller. „Die Stimmung ist super. Sonst würden wir das hier nicht so lange machen.“ Feldkeller, Gitarrist und Produzent von Dieter Thomas Kuhn (DTK), entwarf das Plakat für die Aktion und erklärte sich von Beginn an bereit, bei der Aktion mitzumachen. Zusammen mit DTK teilt er den Getesteten ihre Ergebnisse mit. „Viele Leute jauchzen dann und reißen ihre Arme hoch, wenn sie negativ getestet wurden“, sagt er. Wie lange er noch helfen will? „Wir sagen immer: Zur Not auch bis Ostern 22.“ Das hoffe aber natürlich niemand.

Bis die Krise überstanden ist, bis die Menschen wieder in mehr Sicherheit leben können, will Lisa Federle das Testangebot aufrechterhalten. Mindestens aber bis Ende April. „Oder eben so lange, bis Bund und Land sich endlich durchgerungen haben, eine klare Teststrategie durchzusetzen“, sagt sie.

„Ich finde das riesig, ganz klasse, mit wie viel Freude hier so viele ehrenamtlich mithelfen. Auch so viele vom DRK. Egal, ob es regnet oder eiskalt ist.“ Immer noch würden sich Helfer melden, das mache Tübingen aus, sagt Federle: „Ich bin mir sicher, dass diese Testerei auch das Bewusstsein der Menschen schärft, wie man in der Krise miteinander umgehen sollte, aufeinander aufpasst, nacheinander schaut.“

Die erfolgreichste Weihnachtsspendenaktion des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs geht am Wochenende zu Ende. Noch aber kann auf das TAGBLATT-Konto mit der IBAN DE94641500200000171111 bei der Kreissparkasse Tübingen gespendet werden. Alle drei Projekte haben das Geld dringend nötig. Bitte vermerken Sie, wenn Sie eine Spendenquittung benötigen, und fügen in diesem Fall Ihre vollständige Adresse hinzu. Gemäß Art. 13 DSGVO sind wir verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass wir Name, Adresse und Spendenbetrag der Leser/innen, die eine Spendenbescheinigung wünschen, an die begünstigten Organisationen übermitteln. Für die Schnelltests beim Arztmobil bleibt das Konto auch weiterhin geöffnet. Allerdings laufen die Spenden, die dann dort nur noch für die Schnelltests eingehen können, nicht mehr im Rahmen der Weihnachtsspendenaktion. Bis mindestens April will Lisa Federle das Schnelltest-Angebot aber aufrechterhalten. Und um das zu finanzieren, ist das Angebot auch weiterhin auf Spenden angewiesen.

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Erstellt:
29. Januar 2021, 22:45 Uhr
Aktualisiert:
29. Januar 2021, 22:45 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2021, 22:45 Uhr

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