Tübingen · Kino

Filme vertragen keine Insel-Lösung

Nach kurzer Euphorie schließen zwei von drei Tübinger Lichtspielhäusern mitten im Tübinger Modellprojekt erneut. Das Kino Arsenal und das Autokino halten die Stellung.

07.04.2021

Von Dorothee Hermann

Anzeigetafel am Kino Museum in Tübingen: Gibt es nach der Corona-Pandemie wieder volle Lichtspielhäuser? Bild: Jonas Bleeser

Es war eine Zitterpartie, nun ist es amtlich: In Tübingen dürfen Kinos und Theater vorerst weiterhin öffnen – für Besucher mit einem tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest, und zwar auch dann, wenn die Gäste nicht im Landkreis Tübingen wohnen oder arbeiten. Dem Kino Atelier hilft das nicht, es braucht sein zweites Standbein: das Café Haag mit dem Biergarten auf dem Haagtorplatz. Doch Außengastronomie ist seit dieser Woche untersagt. Ab heute ist auch das Kino dicht.

Doch im Schwesterkino Arsenal laufen vom heutigen Donnerstag an weiterhin Filme. Gleichzeitig startet das Autokino auf dem Tübinger Festplatz. „Wir wollen in der Innenstadt parallel zum Autokino eine Möglichkeit zum Kinobesuch anbieten“, kündigte Kinobetreiber Stefan Paul an. Über das seit Freitag eingeschränkte Tübinger Modellprojekt für den Besuch von Geschäften, Theater und Kinos sagte er: „Es hat uns schwer geschadet, dass Auswärtige nicht mehr kommen durften.“

In beiden Kinos kam die dänische Tragikomödie „Der Rausch“ um vier Lehrer zwischen Burnout und viel zu viel Alkohol bisher am besten beim Publikum an. Auch am Mittwochabend war der Film wieder ausverkauft, sagte Programmleiter Dieter Betz. Beliebt war auch die spanische Komödie „Rosas Hochzeit“ über den ungewöhnlichen Ausweg einer Frau aus der Midlifecrisis.

Weil alle anderen Filmtheater geschlossen sind, präsentiert das Arsenal täglich meist drei Vorstellungen und hat auch einen Kinderfilm im Programm: „Jim Knopf und die Wilde 13“. Kinokarten müssen vorab gebucht werden. „Auswärtige können sich im Kino testen lassen, wenn sie ein Ticket reserviert haben“, sagte Betz. Die Arsenal-Mitarbeiter wären jedoch dankbar, wenn Tübinger den Test vorab an einer der Teststellen in der Stadt machen lassen würden.

Das Kino Museum schließt zunächst nochmals: Nach dem ersten Boom mit 600 Besuchern vom 19. bis 21. März halbierten sich die Besucherzahlen am Folgewochenende. An Ostern waren es dann nur noch 150 Gäste, so Martin Reichart, Geschäftsführer der Vereinigten Lichtspiele Tübingen mit den Kinos Museum und Blaue Brücke (geschlossen seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020). „Damit können nicht einmal die anfallenden Löhne bezahlt werden. Ein wirtschaftlicher Betrieb lässt sich so nicht aufrechterhalten.“

Die Leute wissen nicht mehr, was sie dürfen und was nicht, sagte Reichart: „Die Tübinger trauen sich nicht mehr in die Stadt, und die Auswärtigen wissen nicht, ob sie kommen dürfen.“ Am Osterwochenende habe das Museum um die 1500 Euro Verlust gemacht. „Die Stadt müsste die Kinos mit einem fünfstelligen Betrag wöchentlich subventionieren und eine längerfristige Perspektive bieten. Wir hangeln uns aktuell von Woche zu Woche.“ Selbst im Saarland, wo seit dieser Woche ein ganzes Bundesland Öffnungen testet, bleiben die Kinos geschlossen, sagte der Kinobetreiber.

Die Branchenverbände Hauptverband Deutscher Filmtheater und AG Gilde deutscher Filmkunsttheater streben für die 4800 Kinos in Deutschland ein gemeinsames Öffnen frühestens Mitte Mai an, berichtete Reichart. Je nach Inzidenzzahlen könne es auch Mitte Juni beziehungsweise Juli werden.

Ein gemeinsamer Starttermin sei wichtig, damit auch die Verleiher planen können. Vor allem die großen Verleihfirmen rückten momentan gar keine neuen Filme heraus, nicht einmal Produktionen, die bereits als Stream zu sehen waren.

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Erstellt:
7. April 2021, 19:51 Uhr
Aktualisiert:
7. April 2021, 19:51 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. April 2021, 19:51 Uhr

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