Energiesparen

Größere Anreize zum Sanieren

Die Bundesregierung stockt ihre Förderung für Hausbesitzer zum 1. Juli deutlich auf. Drei Experten sagen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie Privatleute das Projekt angehen sollten.

23.06.2021

Von ALEXANDER BÖGELEIN

Mit einer guten Dämmung lassen sich die Energiekosten deutlich senken. Foto: © ronstik/shutterstock.com

Ulm. Von 1. Juli an verbessert der Staat seine Förderung für die Sanierung von Eigenheimen. Für Hausbesitzer wird es damit noch interessanter, ihren Energieverbrauch mit entsprechenden Baumaßnahmen verbessern sie nicht nur den Wohnkomfort, sondern reduzieren auch ihre laufenden Kosten und tun etwas für den Klimaschutz. Bei unserer Telefonaktion holten sich viele Eigenheimbesitzer Tipps, wie sie ihr persönliches Projekt angehen – von der Technik über die Finanzierung bis hin zur Förderung. Die wichtigsten Antworten von Jörg Knapp (Fachverband Sanitär, Heizung, Klima Baden-Württemberg), Andreas Alt (Verband privater Bauherren) und Lars Kaiser (Verband der Privaten Bausparkassen) im Überblick.

Unsere Ölheizung muss erneuert werden. Können wir bei Öl bleiben?

Ja, das geht, wird aber nicht mehr staatlich gefördert. Der Einbau einer Öl-Brennwertheizung ist in jedem Fall bis Ende 2025 und, nach jetzigem Stand, auch darüber hinaus möglich. In Baden-Württemberg ist schon länger das Wärme-Gesetz zu beachten. Das heißt, bei einer Modernisierung müssen mindestens 15 Prozent erneuerbare Energien eingesetzt werden. Von 2026 ist eine Hybrid-Lösung auch für die Ölheizung weiter möglich. Zum Beispiel: Öl-Brennwerttechnik plus Solarthermie oder Photovoltaik.

Was kostet die Kombination aus Ölheizung und Solaranlage?

Ist nur der Kessel zu tauschen und die Solaranlage zu installieren, liegen die Kosten zwischen 10 000 und 15 000 Euro; die staatliche Förderung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ist bereits eingerechnet.

Wir möchten unsere Ölheizung gegen eine Wärmepumpe tauschen. Welche ist geeignet?

Das lässt sich vom Telefon aus nicht beantworten. Es ist abhängig vom Gebäude und den örtlichen Gegebenheiten. Lassen Sie sich beraten, möglichst unabhängig, das heißt, von jemandem, der keine Heizanlagen verkauft. Experten finden Sie auch unter www.energie-effizienz-experten.de.

Unsere Heizung ist 30 Jahre alt, jetzt steht ein Austausch an. Auf was müssen wir achten?

Gefördert werden nur Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen und solche, die fossile Brennstoffe mit erneuerbaren kombinieren wie Öl plus Solarenergie.

Wir wollen mit einer neuen Heizung den Energieverbrauch reduzieren, möglichst nachhaltig. Was ist zu beachten?

Alte Heizungen sind Energiefresser. Durch eine effiziente Heizung kann der Verbrauch erheblich gedrosselt werden. Aber bedenken Sie, dass man die Energieflüsse in einem Gebäude immer im Ganzen sehen muss. Sind Dach und Wände gedämmt und neue Fenster eingebaut, genügt eine Heizung mit geringerer Leistung und geringerem Verbrauch, und allein das ist ein Pluspunkt für Klima und Geldbeutel.

Wir haben ein sanierungsbedürftiges Haus, müssen Dach und Fassaden dämmen, Fenster und Heizung erneuern. Welche staatliche Förderung gibt es dafür?

Die Förderung richtet sich nach dem Energiestandard, den das Haus nach der Sanierung erreicht. von 1. Juli an können Sie mit einem Tilgungszuschuss von bis zu 40 Prozent von 150 000 Euro Investitionssumme rechnen. Binden Sie in die Planung unbedingt einen Gebäudeenergieberater ein.

Wie kommen wir zu einem Leitfaden für eine optimale energetische Sanierung?

Mit einem Energiecheck beziehungsweise einem Sanierungsfahrplan durch einen Gebäudeenergieberater. Berater finden Sie zum Beispiel unter www.energie-effizienz-experten.de. Der Berater schreibt Ihnen einen Fahrplan, in dem die Maßnahmen in sinnvoller Reihenfolge aufgelistet sind. Für die Beratung können Sie beim Bafa einen Zuschuss von knapp 80 Prozent bekommen.

Ist es möglich, bei der Sanierung eines Einfamilienhauses zu einem KfW-70 -Standard-Haus eine reine Luft-Wärmepumpe einzubauen? Was muss ich beachten?

Ja, Wärmepumpen der heutigen Generation sind durchaus in der Lage, die dafür benötigten Vorlauftemperaturen zu erzeugen. Sinnvoll wäre es, dass eine Wärmepumpe mit natürlichen Kältemitteln zum Einsatz kommt, zum Beispiel Propan. Kohlendioxid wäre ebenfalls möglich. Grundsätzlich sollte beim bestehenden Heizungssystem eine Optimierung mit hydraulischem Abgleich durchgeführt werden. Dabei ist zu prüfen, ob bestehende Heizkörper gegen größere ausgetauscht werden können. Dadurch könnte die Vorlauftemperatur weiter abgesenkt und die Effizienz gesteigert werden.

Wie beantragen wir einen Bafa-Zuschuss?

Holen Sie für Ihr Vorhaben Kostenvoranschläge ein. Bevor Sie den Auftrag per Unterschrift erteilen, muss der Zuschuss beantragt sein. Dabei kann der Handwerksbetrieb helfen. Nach Abschluss der Arbeiten muss dieser erklären, dass die technischen Mindestanforderungen eingehalten wurden. Der Zuschuss wird also erst nach Abschluss der Arbeiten überwiesen. Vorher sind alle nötigen Dokumente hochzuladen. Unter www.bafa.de wird Antragsprozess erklärt.

Wir wollen kein Darlehen für die energetische Sanierung aufnehmen. Ist trotzdem ein staatlicher Zuschuss möglich?

Ja, für Sie kommt vom 1. Juli an der Investitionszuschuss infrage. Der Zuschuss wird gewährt, wenn Sie nachgewiesen haben, dass Sie bei den Maßnahmen die Vorgaben eingehalten haben.

Wird beim KfW-Förderkredit auch die Bonität geprüft?

Ja, wie bei jeder Kreditvergabe. Auch bei einem Kleinstdarlehen von der Bausparkasse von bis 30 000 Euro ist eine Prüfung der Kreditwürdigkeit erforderlich.

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Erstellt:
23. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2021, 06:00 Uhr

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