Kino · „Catweazle“

Otto Waalkes. „Ich bin keine Kunstfigur!“

Der Kult-Komiker Otto Waalkes über das Remake des zauseligen Magiers „Catweazle“ und die nicht immer lustigen Dreharbeiten in Pandemie-Zeiten.

29.06.2021

Von Dieter Oßwald

Wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Originaldarsteller ist Otto Waalkes die ideale Besetzung für die deutsche Wiederauflage von „Catweazle“. Foto: Tom Trambow/Tobis Filmproduktion/dpa

Der erste „Otto“-Film gehört mit über 14 Millionen Zuschauern zu den erfolgreichsten deutschen Streifen überhaupt. Das war vor einem Vierteljahrhundert. Die Comedy-Szene hat sich inzwischen stark verändert. Doch die Ur-Ulknudel Otto Waalkes, 72, hat sich stets erfolgreich angepasst. Sein Märchen-Klamauk „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ lockte sieben Millionen Besucher. Nun präsentiert Otto eine Remake der britischen Kultserie „Catweazle“. Im kommenden Jahr geht er auf große Tournee mit stolzen 84 Auftritten.

Herr Waalkes, beginnen wir mit einer Frage, die Sie noch nie gehört haben: Was ist 365 geteilt durch 84?

Otto Waalkes: Stimmt, die Frage habe ich noch nie gehört! Wie lautet die Antwort, die habe ich auch noch nie gehört? Ich tippe auf: Das weiß ich nicht!

Nein, die Antwort lautet 4,353. Das ist Ihre statistische Auftrittsquote im kommenden Jahr: 84 Auftritte, also an jedem vierten Tag einen. Wird das nicht etwas viel?

Das ist Otto-Tradition: Zweimal vierzig ist der Modus meiner Tourneen, die ich alle zwei Jahre mache. Das ist seit 50 Jahren so, deswegen bin ich das gewohnt. Du wirst mit dem Auto ins Hotel gebracht. Du gehst gut essen. Um 18 Uhr ist Soundcheck. Dann legst du dich in der Garderobe etwas hin. Gehst auf die Bühne. Hollaridi. Wirst gefeiert. Oder auch nicht. Dann kannst du ins Bett und fährst am nächsten Tag weiter – etwas Schöneres gibt es doch gar nicht.

„Catweazle“ gilt als Kultserie der 1970er Jahre. Welche Erinnerungen haben Sie an den schrulligen Zauberer aus England?

Ich habe die Serie damals nie verpasst im Fernsehen. Aber ich hätte mir nie vorstellen können, einmal selbst in diese Rolle zu schlüpfen. Die Idee zu einem neuen „Catweazle“ kam von dem Regisseur Sven Unterwald, dem die Ähnlichkeit des Originaldarstellers Geoffrey Bayldon mit mir aufgefallen war. Das machte mir Lust darauf, die Rolle neu zu interpretieren.

Wissen die Kinder von heute, wer Catweazle überhaupt ist?

Kennen Kinder „Kokowääh“? Das war Til Schweiger damals doch auch völlig egal. Mir gefällt es gut, wenn Filmtitel ein Rätsel aufgeben. Wer die Lösung längst kennt, nimmt seine Kinder erst recht gerne mit ins Kino.

Wie viele Gags gibt es in „Catweazle“?

Konnten Sie so schnell nicht mitzählen? Es sind genau 365 geteilt durch 84 und das multipliziert mit dem Preis einer Kinokarte. Aber im Ernst: Das sind Interpretationsfragen. Mancher lacht über den Anfang. Mancher lacht über den Schluss. Mancher lacht über die versteckten Scherze. „Catweazle“ ist keine Gagparade – entscheidend ist, dass der Film Spaß macht.

Wie viel Waalkes steckt eigentlich in Otto, der Kunstfigur?

Ich bin doch keine Kunstfigur! Das wäre mir viel zu anstrengend. Ich transportiere meinen persönlichen Lebensstil an die Öffentlichkeit, das fällt mir leicht. Anscheinend ist mein Stil irgendwie zeitlos, ganz neue Generationen sind nachgerückt, um darüber zu lachen. Insofern sehe ich keine Notwendigkeit, mich zu ändern.

Otto, der ist so auch in Wirklichkeit?

Leider! Ich versuche immer, ernst genommen zu werden, aber es gelingt mir nicht. Immerhin kann ich ganz gut davon leben.

Wie gut konnte Ihr Sohn damit leben, dass der Papa der Kasper der Nation ist?

Schwierig, schwierig: Papa peinlich! Erst als Twen wurde er dann ein bisschen weniger streng.

Wie sehr ist Ihnen das Lachen vergangen in Corona-Zeiten?

Dreharbeiten in der Pandemie sind mit den ganzen Hygienevorschriften wahnsinnig kompliziert. Da bleibt das Lachen leicht unter der Maske stecken. Gleichzeitig schweißen solche Umstände das Team unglaublich zusammen: Da hat einfach alles gestimmt. Ich habe versucht, das Beste aus den Lockdowns zu machen, endlich hatte ich Zeit, wieder zu Hause zu sitzen und zu malen.

„Catweazle“ eröffnet nach langer Pause die Kinosaison. Ist der totale Blödsinn das perfekte Signal nach dem tristen Mehltau von Corona?

Ich glaube, „Catweazle“ kann ein ganz gutes Rezept gegen Corona sein, zu viel Wirklichkeit könnte nach der Pandemie zu schockierend wirken.

Wie sieht das typische Otto-Publikum aus? Eher männlich oder weiblich?

Eher kindlich! Über das Publikum habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich mache schon immer das, was mir selber Spaß macht. Wenn die Zuschauer lachen, dann lache ich mit und denke mir dabei: Toll, das ist ja doch lustig!

Was halten Sie als Betroffener von der Rente mit 72?

Her damit, das kann ich gut gebrauchen! Aber es wäre noch kein Grund, die Gitarre an den Nagel zu hängen. Es gibt gute Vorbilder: Dieter Hallervorden ist schließlich mit 85 Jahren noch sehr komisch. Das weiß ich, weil er in meiner kommenden Weihnachtsshow „Otto Fröhliche“ mitmacht.

Hätten Sie keine Ambitionen auf eine Ausflug in ernsthafte Rollen wie Woody Allen?

Dazu fehlt mir das Talent. Ich bin nicht Woody, sondern Waalkes. Und das möchte ich auch bleiben. Bisweilen darf ich TV-Angebote ablehnen, einen Ermittler zu spielen: Kommissar Otto würde doch kein Zuschauer ernst nehmen.

Die Kultserie aus den 1970er Jahren

Die 1970 geschaffene britische Kultserie „Catweazle“, die ab 1974 auch im ZDF ausgestrahlt wurde, handelt von einem zauseligen Zauberer, der einer comichaften mittelalterlich-magischen Welt entstammt. Auf der Flucht vor bösen Normannen landet er per Zeitsprung versehentlich in der Gegenwart und erlebt dort die „Magie“ der technischen Welt von 1970 – Autos, Bagger, Radio, Schallplatten, elektrisches Licht. - kna

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Erstellt:
29. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2021, 06:00 Uhr

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