Tübingen

Ingmar Hoerr zieht sich bei Curevac zurück

Wie das Tübinger Biotech-Unternehmen am Mittwochmittag mitteilte, zieht der Firmengründer und ehemalige Vorstandsvorsitzende Ingmar Hoerr seine Kandidatur für den Aufsichtsrat des Unternehmens zurück und nimmt somit kein Amt mehr bei Curevac ein.

23.06.2021

Von uja

Ingmar Hoerr beim Besuch in der TAGBLATT-Redaktion. Archivbild: Ulrich Metz

Beim Tübinger Impfstoff-Entwickler Curevac geht es weiterhin turbulent zu. Nur einen Tag vor der Hauptversammlung der Aktionäre zog Unternehmensgründer Ingmar Hoerr am Mittwoch überraschend seine Kandidatur für einen Sitz im Aufsichtsrat zurück. Als Grund nannte das Unternehmen „weiterhin anhaltende gesundheitliche Probleme“. Hoerr hatte im März 2020, zwei Tage nach der erneuten Übernahme des Vorstandsvorsitzes, einen Gehirnschlag erlitten. In den letzten Monaten zeigte er sich jedoch zunehmend wieder in der Öffentlichkeit, gab Interviews und trat in Talkshows auf.

Auf Anfrage des TAGBLATTs erklärte Hoerr, dass die Entscheidung nach „Abwägung der Pros und Cons“ und auf ärztlichen Rat hin erfolgt sei: „Mir ist nach dem Vorfall letztes Jahr bewusst geworden, wie fragil meine Gesundheit ist.“ Er habe gehofft, mit der Reha schneller vorankommen zu können, doch sei ihm klar geworden, dass er „noch nicht die Möglichkeit habe, ein solches Amt auszufüllen“. Der Aufsichtsratsvorsitzende Jean Stéphenne, bekundete Hoerr seinen „tief empfundenen Dank und größten Respekt“.

Das Unternehmen gab gestern auch den Rückzug eines weiteren Aufsichtsratsmitglieds bekannt. Timothy M. Wright verabschiedete sich von Curevac, um sich „eigenen beruflichen Aufgaben stärker widmen zu können“. Wright, ein erfahrener Pharma-Manager, war erst 2018 in den Aufsichtsrat aufgenommen worden, zuletzt wirkte er im Prüfungsausschuss des Gremiums mit.

Für das Unternehmen könnten diese Nachrichten kaum ungünstiger kommen. Nachdem vor einer Woche enttäuschende Zwischenergebnisse aus der laufenden Zulassungsstudie für den Corona-Impfstoff CVnCov bekannt wurden, war der Aktienkurs dramatisch eingebrochen. Derzeit prüft die Finanzaufsicht Bafin, ob Curevac- oder Bayer-Mitarbeiter von ihrem Insiderwissen Gebrauch machten und schnell noch vor dem großen Sturz Aktien verkauften. Insiderhandel ist in Deutschland verboten und kann mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren geahndet werden.

Die Curevac-Aktie, die sich in den letzten Tagen etwas erholt hatte, fiel am Mittwoch erneut um etwa drei Prozent.

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Erstellt:
23. Juni 2021, 14:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Juni 2021, 17:17 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2021, 17:17 Uhr

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